Melody’s Baby

Dann ist’s doch ein Krebsfilm geworden.
Bernard Bellefroid, der mit Carine Zimmerlin auch das Drehbuch geschrieben hat, wollte, so machen es uns die einführenden Szenen glauben, einen Film zum Thema Leihmutter machen; ein aktuelles Thema. Er wollte es in der Manier der Gebrüder Dardennes versuchen. Immer nah dran an der Protagonistin Lucie Debay als Melody, einer jungen, ledigen Coiffeuse, die davon träumt, einen eigenen Frisörsalon aufzumachen. Ein wirtschaftliches Ziel soll der Geschichte Drive verleihen. Denn für den Salon braucht sie Geld.

Im Gegensatz zu den Gebrüdern Dardennes setzt Bellefroid den Zuschauer allerdings nicht gleich mitten in die Problematik, ob die Hauptfigur ihr Ziel erreicht, weil das Ziel nicht klar definiert ist. Das stellt sich nämlich erst allmählich heraus.

Auch in der Szene mit dem Vermieter. So wird auf viel dramaturgiche Spannung schon mal verzichtet. Dann hat Melody die Idee mit der Leihmutterschaft. Auch das wird geschildert, wie sie sich im Internet informiert und sich in entsprechenden, geschlossenen Foren anbietet. Es läuft wie selbstvertändlich ab, als ob sie das jeden Tag mache.

Der Fimemacher setzt nicht auf Spannung, stellt gar nicht erst die Frage, ob es überhaupt funktionieren kann. Schon ist Melody in Kontakt mit Emily, Rachael Blake. Die ist CEO einer Frachterfirma, die ihre Schiffe auf den Weltmeeren hat.

Mit dem Auftritt von Emily verliert der Film schnell seine bisherige Erzählperspektive; er interessiert sich jetzt genau so für Emily. Denn die hat auch ein existentielles Problem: sie hat Krebs, hat eine Chemo hinter sich und trägt Perücke. Das irritiert den Erzählfaden gewaltig. Jetzt wird das Interesse des Filmemachers zusehends diffus, lässt eine Beziehung zwischen den beiden Frauen entstehen, was just nicht passieren sollte, bringt also noch ein weiteres Thema ins Spiel.

Es folgen Bauchunteruchungen bei beiden Frauen, Ultraschall bei Melody, es ist ein Bub und ebenso bei Emily, es ist die Bauchspeicheldrüse, unheilbar, das Ableben in Sichtweite. So verschwiemelt denn auch der sich abzeichnende Konflikt der Leihmutter, der nach der Geburt auf sie zu kommen könnte, der Konflikt mit dem Hergeben des ausgetragenen Kindes. Denn jetzt ist es ihr Kind. Probleme der Adoption haben sich krebsseidank wie von selbst gelöst, auch das Thema Kaiserschnitt in der Ukraine.

So wartet man denn noch lange, weil immer wieder Aufnahmen vom Meer dazwischen geschnitten sind und emotionale Aufnahmen von beiden Frauen und ein Zusammenbruch im Meer von Emily, bis endlich das Babygeschrei ertönt. Das erste ist eher Unheil verheißend, wie ein Röhren. Dann tut einem nur noch das reale Darsteller-Baby leid, das die ganze Traurigkeits- und Weinszene der Filmmutter und ihren Satz, dass sie beide jetzt das Muttsersein lernen müssen, unter realen Drehbedingungen aushalten musste.

Unentschiedenes Krebs-Leihmutter-Melo, bei dem die eierliefernde Mamma zur Oma wird, was die diffuse Beziehung zwischen beiden Frauen nicht verständlicher macht.

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