Mad Max: Fury Road

Skeptischer Survival.
„Mein Name ist Max, meine Welt ist Feuer und Blut“, so stellt Tom Hardy (No turning back, The Drop – Bargeld, „Kind 44“) sich mit dem Rücken zum Publikum in einer Wüstenlandschaft stehend vor. Der Sinn des Lebens ist ihm abhanden gekommen, er wird geplagt von Selbstvorwürfen, dass er nicht helfen konnte, umso mehr kämpft er ums Überleben.

Hardy gerät er in einen merkwürdigen Ausstattungszirkus zwischen Love- und Militär-Parade mit abenteuerlich kostümierten und bewaffneten Figuren mit Wrestlermachogeprotze und -tattoos und diesen Wagen mit den Aufbauten wie die Prunkwagen beim Kölner Karneval angereichert mit Waffen und Panzerungen, aber auch mit Musik, der rote Rockgitarrist als Kühlerfigur, die Trommler hinten auf dem Ungetüm von Gefährt, allesamt wüstentauglich mit einem Sound, als wollten sie die Mauern von Jericho zum Einsturz bringen.

Diesem Ausstattungs- und Kostümaufwand aus der Ecke eines urigen Geschmackes zwischen Klamotte, Fasching, Techniknostalgie- und Tüftlertum sowie Wüsten-Indianertum begegnet Hardy teils mit Übernervosität, teils mit skeptisch-fragenden Blicken, so gar nicht cool; oft wirkt er seltsam zivilisiert, momentweise gar spießig in den diversen Desperadohaufen, in die er sich in diesem Film verlaufen hat und gegen die er ankämpfen muss, ja am Schluss mutiert er zum fürsorglichen Samariter bei einer Notoperation; für einen Actionfilm hat hier ein Schauspieler zu viel nachgedacht.

Eine Eidechse flüstert ihm etwas zu, nähert sich ihm von hinten, er spürt das, zertritt sie mit dem Stiefel und verschlingt sie; hohe Sensibilität auf Regungen der belebten Wüste. Jetzt kann es los gehen. Gleich schon wird er verfolgt und grausam gefangen genommen, an Ketten geschmiedet und mit einer eisernen Gesichtsmaske zur Unkenntlichkeit entstellt. Er landet in einem gigantischen kleinen Staat, einem Industriebetrieb im Inneren eines Wüstenberges, Architektur und soziale Struktur sind deutlich an Fritz Langs Metropolis orientiert, Bebilderung maschinell gnadenloser Dialektik zwischen Unterdrückern und Unterdrückten. Der oberste Chef ist ein Kretin, umgeben von ephebenhaften Glatzköpfen und der strategische Heerführer ist eine Figur, einem Pavian nicht unähnlich mit Gesichtsmaske und Schläuchen daran, ein potenter Nachwuchserzeuger für seine blonden Gebärmaschinen.

Die Frauen proben gerade den Aufstand, sie wollen nicht, dass ihre Kinder Krieger werden. Eine Gruppe von ihnen unter Leitung des Bubikopfes Charlize Theron als Furiosa wagt bei einer Wasserbesorgungsfahrt mit einem Tankwagen den Ausbruch, beginnt die Flucht.

Auch Tom Hardy kann sich befreien. Bald schon ist er unterwegs mit dem Rudel von Bikini-Schönheiten um Furiosa in der Sandwüste Namibias und verfolgt von allerlei Gesinde und Gesindel in und auf skurrilen Gefährten und ausgestattet mit den verschiedenartigsten Waffenarsenalen, die nicht passiv bleiben werden.

Es setzt große, gekonnt inszenierte, bald aber auch ermüdende Kämpfe mit enormen Materialschlachten, die George Miller, der mit Brendan McCarthy und Nick Lathouris auch das Drehbuch geschrieben hat, begeistert mit freigeistigen Farbeffekten aufmotzt. Schöne Details dabei sind manch gewagter Stunt, das Fahren ohne Steuerrad, die Kämpfer auf den meterhohen Stangen auf den rasenden Gefährten, das hat artistische Qualitäten, oder die Stachelautos der Verfolger, die wie eklige Krebse über den Wüstensand wieseln, in einem Fall stürzt sich ein Kämpfer aufopferungsvoll in die Stacheln oder nach einer Schlacht, wenn nur noch Feuerbälle übrig bleiben, erlischt ein Streichholz, leinwandgroß, mit letzter Flamme. Denn im Action-Strudel müssen auch Ruhephasen sein. Dabei scheint das Material für die Schlachten, der bunte Fuhrpark, wie die Katzen mindestens sieben Leben zu haben.

Furiosa möchte mit ihren Frauen an den Ort ihrer Jugend zurück, an „den grünen Ort“, dumm nur, dass dieser längst vertrocknet ist, statt seiner gibt es noch eine nackte Frau auf einem alleinstehenden, kaputten Strommasten mitten in hohen Sanddünen, Dystopie pur; vorher streifte die Kamera en passant morbide Stelzenwesen um ein Baumgerippe herum, Assoziation Totenreich. So muss Furiosa die gefährliche Fahrt zurück antreten, was eine weitere Verlängerung der Materialschlacht bedeutet.

Immerhin, wenn man nach der spät angesetzten Pressevorstellung aus dem grellen Licht Namibias in eine deutsche Nacht hinaustritt, kommt diese einem besonders dunkel und trist vor, so wie die Pressepräsentationspraxis von der Verleihfirma Warner Bros., die den Film wohl am liebsten gar nicht vorab gezeigt hätte, so sehr ängstigt sie offenbar das Feedback speziell aus dem Internet; denn die Internetjournalisten durften erst am Vorabend vor dem Kinostart den Film angucken und selbst dabei wurde ihnen noch bevormundend ein befristeter Maulkorb verpasst. Somit kann diese Review nur einen schnellen, ersten Eindruck vermitteln.

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