The Forecaster

Wer die Zukunft vorhersagen kann, der hat den anderen Menschen etwas voraus und kann damit ein Geschäft machen als Kartenleger oder Meteorologe, erst recht aber als Börsenguru.

Wer als Börsenguru reüssiert, der kann reich werden und sogar zu einer Gefahr für große Finanzkonglomerate, die undurchsichtige Geschäfte tätigen, und die hinterlistig zurückschlagen.

Von so einem beklemmenden Schicksal, von Martin Armstrong, berichtet diese Dokumentation von Karin Steinberger, die mit Marcus Vetter (Cinema Jenin, The International Criminal Court) auch das Drehbuch geschrieben hat.

Martin Armstrong hat schon als Bub sein Faible fürs Geld entdeckt. Nach jedem Einkauf musste die Mutter ihm die Münzen zur Begutachtung überlassen und viele wurden in seine Sammlung gesteckt. Mit dem Sammeln fing das Geschäften an und das Interesse für die Geschichte des Geldes, die Zyklen von Geldentwertung und Staatspleiten, das Interesse dafür, dass Staaten zwar immer Geld leihen, es aber nie zurückzahlen.

Von den Münzen stieg er aufs Börsengeschäft um und betrieb es mit wissenschaftlicher Akribie, mit genauem Studium der Zyklen. Er hatte riesigen Erfolg damit. Seine Firma Princeton Economics war weltweit tätig mit 240 Beschäftigten. Armstrong war ein großzügiger Chef, das erzählt sein ehemaliger Münzhändler, was Armstrong kurz vor Festtagen für seine Leute noch gepostet habe.

Die Firma war so mächtig und erfolgreich, dass ein dubioses Finanzkonglomerat um die Republic Bank in New York und den später unter ungeklärten Umständen in Monaco in seinem Appartment verbrannten Banker Safra sich für Armstrongs Datenbank interessierte, was dieser ablehnte. Das ist ihm nicht gut bekommen.

Auch FBI und CIA interessieren sich für ihn. Plötzlich steht er unter Anklage wegen eines Ponzi-Schemas (Schneeballschuldensystem), was er nie betrieben hat, es gibt Hausdurchsuchungen und weil er seinen Laptop mit den unknackbaren Daten nicht herausrückt, kommt er in Beugehaft, die immer wieder erneuert wird, bis er einen Deal mit Schuldgeständnis eingeht. Und endlich freikommt.

Heute ist er zwar deutlich gezeichnet, aber ungebrochen, hat seine Firma wieder gegründet, füllt die Sääle mit seinen Vorträgen und hat 2014 vorausgesagt, dass der Schweizer Franken seine Bindung an den Euro über kurz oder lang aufgeben werden. Was er Mitte Januar 2015 auch prompt getan hat.

Das Problem der selfulfilling Prophecy wird auch angesprochen. Bei einem von ihm vorausgesagten Kursrutsch stellte sich heraus, dass dieser durch einen seiner Anhänger ganz allein aus dem Glauben auf die Vorhersage herbeigführt worden ist.

Die Zukunft ist das Reich der Spekulation. Insofern bringt der Film auch Einblicke in eine riesige, weltumspannende Gerüchteküche, er bringt Vermutungen neben Statistiken und Zeichnungen, Statements von Wegbegleitern und Juristen, News und privates Homevideomaterial und rührt damit brisante Themen anregend an.

Ob Armstongs düstere Vorhersage des Kollapses des gesamten Finanzsystems am 1. 10. 15 eintrifft, da können wir gespannt sein – und vielleicht schon mal Vorkehrungen treffen. Die gigantische Gelddruckerei nicht nur im Euroraum, ohne dass die Volkswirtschaften entsprechenden Mehrwert schaffen, wird nicht ohne Folgen bleiben. Die Crashwarnungen mehren sich.

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