Vielleicht war das nur so eine spleenige Idee von Alan Rickman, wie es einem britischen Adligen einfallen könnte, ach, jetzt machen wir mal so eine richtig schöne Schnulze, eine träumerisch-traumhafte Schäfergeschichte, eine Liebesgeschichte an einem Königshofe, keine Schäferliebe sondern die Liebe zwischen einer Gärtnerin und dem französischen Sonnenkönig.

Das macht doch einfach Spaß, den König zu spielen, anno 1682 Louis XIV, den Sonnenkönig. Und wenn ich Kate Winslet als die einfache Gärtnerin, die eine hochkomplexe Kaskade in den Gärten von Versailles bauen soll, dazu nehme, dann ist ein Schauspielerfest unausweichlich programmiert.

Um uns herum sortieren wir noch Leute nach und mit Gusto: Helen McCory als Madame Le Notre, die intrigante Gattin von André, Jennifer Ehle als Madame De Montespan, Stanley Tucci, Matthias Schoenaerts als André Le Notre, den Obergärtner und viele, viele andere.

Wir inszenieren und filmen schöne Kutschenfahrten, bauen ein Reduit für den König, wo er unter anderer Identität in der Natur und zwischen seinem Obst meditieren kann, wo es zu einer ersten, geheimnisvollen Begegnung mit der Gärtnerin kommen soll.

Wir stellen der Geschichte eine ausgiebige Bewerbungsszene für die Stelle eines Gärtners voran; es ist reine Wonne zu zeigen, wie bescheiden Kate Winselt als die Gärtnerin Sabine de Barra wohnt. Nicht weniger als die Aufzüge am Hofe, die Arbeiten an der Kaskade mit viel Dreck und einem Sabotageakt, der für Sabine sehr gefährlich wird, wie einige hochdramatische Szenen zeigen, als Resultat der Intrige eines missgünstigen Kollegen; zum Glück gibt es nicht nur solche.

Das macht Spaß pur und wenn es nur Spleen ist, dann umso mehr, Höfisches zu spielen und höfisch zu artikulieren, speziell Alan Rickman, welch königliche Pausen er sich erlaubt, welche leise, zögerliche Artikulation.

Und – Pikanterie höchstkultiviert – die Andeutung von Liebesaffären; aber auch die gepflegte, weltfremde Langeweile zu zeigen ist reizvoll; diese künstliche, diese abgehobene Welt.

Es ist wie eine Aschenputtelgeschichte, ein Märchen im milden Glanze des Lichtes des Sonnenkönigs, so eine Geschichte zu erzählen, heute zu erzählen, wirkt vielleicht snobistisch, fast muss man angesichts des Elendes auf der Welt ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn man so etwas genießt, wie ein Diabetiker, der sich ein Tortenstück leistet, sündigen – ein bisschen. Denn der Hunger nach Liebe erlischt nie, auch nicht in Versailles.

In der Geschichte von Sabine de Barra gibt es durchaus dunkle Momente, wie Rückblenden zeigen. Klar ist auch, dass so eine Romanze mit schönen Bildern glücklich enden muss. Wie hinreißend Alan Rickman und sein Team die Geschichte erzählen, wird einem vielleicht erst bewusst, wenn man aus dieser Traumwelt im Kino wieder hinaus in das hektisch verbiesterte Leben einer deutschen Stadt von anno 2015 tritt.

So wars doch wenigstens ein lässlicher, schöner Eskapismus. Die Spleenhaftigkeit des Unternehmens wird noch unterstrichen dadurch, dass konsequent britisches Englisch gesprochen wird an diesem französischen Hofe. Allein das.

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