Shana – Das Wolfsmädchen

Shana hat in diesem von Nino Jacusso ruhig und klar und in unaufgeregten Bildern mit ausgiebig Raum für Naturmystik erzählten Film einiges zu bewältigen. Sie lebt in einem Indianer-Reservat in Kanada, das am Rande der Weltgeschichte liegt, eine Tankstelle, eine Schule, ein Supermarkt und eine Überlandstraße.

Shana ist zwölf, steht vorm Coming-of-Age. Ihre Mutter ist gestorben. Dadurch ist ihr Vater dem Alkohol verfallen und hat seinen Job verloren. Shana tröstet sich unter dem Familienbaum, an den sie Briefe an die Mutter hängt oder sie spielt dort Geige für der Wölfin Ayana, denn die Seelen der Verstorbenen kommen in Gestalt von Tieren zu uns.

Es sieht schlecht aus für Shana. Sie ist zwar musikalisch begabt, aber eine Indianerin, die es an die nationale Musikakademie in Kanada schafft, das gibt es sowieso nicht („Ich bin Indianerin. Indianerin und Geige, das geht nicht“). Trotzdem hat der Film ein emanzipatorisches Ziel. Zu diesem Zweck kommt die neue Lehrerin an die Schule, Miss Woodland, die selber Meisterschülerin war und, nachdem sie das Vertrauen gewonnen hat, Shana erzählt, wieso sie nicht mehr spielen kann. Miss Woodlands ist eine emanzipierte, aufgeklärte Indianerin, polyglott, sie geht zum Ausritt mit Jeff Morgan, dem Unternehmer (während Shana von einem Ausritt mit ihrer Mutter in Zeremonienkleidern träumt: das Pubertäre und das Visionäre, siehe das Märchen von Mara und der Feuerbringer). Umsomehr will sie jetzt zur Emazipation der Indianer beitragen: Bildung statt Büffel ist ihre Leitmotiv.

Miss Woodlands kümmert sich um die Schüler, geht den Ursachen der Widerstände von Shana nach und schafft es, sie zu öffnen, sie wieder zum Spielen zu bringen. Hinzu kommt ein mythisches Erlebnis in einem Wald mit Natur und Mutter und Erscheinungen und großartigen Naturaufnahmen. Shana tritt mit der Geige in einen Diskurs mit dem Knarzen der Baumstämme ein. Auch Haare von der Mutter, die an ihrem mystischen Baum hängen, können den Kontakt herstellen, bis Shana schließlich bereit ist, sich aufzumachen in die Großstadt zum Vorspiel an der Musikakademie.

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