In diesem vielfältig europäisch geförderten Film aus Bulgarien von Stephan Kommandarev (mit den Co-Autoren Martin Damyanov und Emil Spahiyski) geht es um viele Themen.

Da ist das brisante Thema der europäischen Grenzen und des Versuches, sie für Flüchtlinge so abschreckend und undurchlässig zu machen wie möglich, hier geht es um die Grenze zwischen der Türkei und Bulgarien in einer malerisch bewaldeten, felsig zerfklüfteten Gegend mit vielen, schnell ziehenden Nebeln.

Dann geht es um einen Protagonisten, Assen Blatechki als Witwer Mitio, der schwere Schuldprobleme mit sich herumträgt und auch noch ein Vater-Sohn-Problem mit seinem halbwüchsigen Sohn Vasko, dem bildprägnanten Ovanes Torosian, auszutragen hat, der ihm verschiedene Vorwürfe entgegenschleudert, dass er den Strom nicht bezahle, dass er, obwohl noch kein Jahr seit dem Tod der Mutter vergangen sei, schon mit der Nachbarin anbandle und dann kommt der Bub auch noch hinter das gravierendste von Vaters Problemen, dass er 1988 kurz vor dem Fall des Eisernen Vorhanges als Grenzschützer an dem markanten, dem Film den Titel gebenden Landschaftspunkt „Judgment“ ein junges Paar aus der DDR erschossen habe. Ein Menü aus Spaghetti, Reis und Kartoffeln. Schnüre einer dieses Themenpaket zu einem tragfähigen Film.

Die Verbindung zum Flüchtlingsproblem schafft das Aus der Moltkerei, für die Mitio mit eigenem Tankwagen als Fahrer tätig war. Durch den Wegfall des Einkommens kann der Vater die Kredite, die er zur Behandlung der Mutter aufgenommen hat, nicht mehr bedienen. Womit der Kuckuck droht. Hier besinnt er sich auf ein Angebot seines früheren Chefs „the Captain“, Predrag Manojlovic, inzwischen ein skrupelloses Arschloch von Schlepper. Dieser hatte ihm damals also ebenso skrupelloses Arschloch von Chef den Abschuss der Flüchtlinge befohlen. Jetzt kann Mitio über den Captain Geld verdienen, indem er Flüchtlinge erst auf verschlungenen, gefährlichen Waldpfaden und dann in seinem Tankwagen versteckt über die Grenze bringt.

Der Schauspieler Blatechki löst dieses unspielbare Problem, indem er pausenlos schuldbewusst und leicht fremdelnd schaut und in der Gegend steht und sein Problem vergeheimnisst, statt es wenigstens dem Zuschauer der Transparenz halber mitzuteilen. So schwimmt der Zuschauer im malerischen Dickicht dieser Grenzspähre oder stochert in deren Nebel.

Andererseits erzählt Stephan Komandarev in überdeutlicher Langsamkeit und Breite, offensiv seriös, das, was er erzählt, vielleicht, damit die vielen europäischen Förderfunktionäre in den Gremien das Drehbuch auch ja glauben lesen zu können, um Gelder locker zu machen?

Immerhin: die deutsche Synchro ist passable knapp und unambitioniert.
Aber der Fluchtweg ist ein wenig nachvollziehbares Konstrukt, scheint mehr nach Merkmalen des Pittoresken als des Realen erfunden zu sein. Vielleicht hat das bulgarische Tourismusreferat den Locationsscout gesponsert.

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