Und wieder eine Kinoblüte, wie eine Königin der Nacht, die so nur in der französischen Filmkultur gedeihen kann. Ein eher seltenes Genre mit Einsprengseln à la Gott des Gemetzels, vor allem jedoch der Flash auf eine kleine Alltags-Situation eines Menschen.

Der vielbeschäftigte Zahnarzt Michel, Christian Clavier, findet im Trubel der Stadt eine Schallplatte, die er lang gesucht hat, eine nostalgische, die er jetzt in Ruhe anhören möchte. Er wird nicht dazu kommen. Ständig passieren Störungen.

Die exaltierte Spanierin Marie will staubsaugen. Ein vermeintlich polnischer Arbeiter soll eine Zimmerwand im ehemaligen Kinderzimmer von Sohn Sebastian niederreißen. Über der Wohnung hat der Sohn in seiner aktuellen Mansardenwohnung eine lärmige, asiatische Flüchtlingsfamilie aufgenommen. Einem Nachbarn ist die Mikrowelle ausgefallen, für ihn soll Michel den Babybrei aufwärmen. Ständig will seine beste Freundin ihn anrufen, mit der er ein Verhältnis hat. Schon in der Stadt ist er nicht zur Ruhe gekommen vor Anrufen und Begegnungen. Ein Patient ist unzufrieden mit einem Implantat. Der Sohn kommt nach Hause, will die Wäsche gewaschen haben. Seine Frau will ein Bad nehmen. Die Bauarbeiten führen zu einem Rohrbruch. Da die Wettervorhersage schlecht ist, verlegt der Nachbar die Hausparty in seine Wohnung und wie es von der Decke anfängt zu tropfen, entscheiden sich die Gäste für die darüber liegende Wohnung; jetzt hat Michel die Bude voll und auch die Geliebte steht vor der Tür. Ihm bricht seine Welt zusammen wie in No Turning Back, hier aber in einem riesigen Chaos und einer überbordenden, rauschhaften Gemengelage, denn auch seine Frau hat noch ein Geständnis zu machen.

79 turbulente Minuten voller Charme und Pointen, Tempo, Temperament und Humor und trotzdem Katastrophe über Katastrophe. Dabei ist Monsieur Leproux, wie Michel zum Familiennamen heißt, doch so voller Freude und Begeisterung und Pep, wie er sich auf das Einrichten seiner Ruhestunde freut und vorbereitet.

Die Schallplatte, die soviel Ruhe bräuchte, heißt neckischerweise „Me, Myself and I“, die ihm „the verge of a golden moment“, so der englische Untertitel des Satzes, gönnen und ermöglichen soll. Als ob sie es spüre, bricht wie ein Tsunami die Umwelt über den Armen herein und vermiest ihm seine Genusstunde. Das ist nicht die große, tiefe Geschichte, hier ist aus einer kleinen Alltäglichkeit ein perlender Cocktail gemixt.

Michel ist smart, temperamentvoll, jovial, er lächelt, er sieht souverän aus und er möchte nur eine Stunde Ruhe genießen. Ist das so schwer, die einem Zahnarzt zu gönnen?

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