Mara und der Feuerbringer

Dieser Film von Tommy Krappweiss nach seinem eigenen Roman (Drehbuchmitarbeit Sebastian B. Voss) überzeugt mit einigen Qualitäten, die ihn von der Masse deutscher Kinderfilme erfreulich abheben.

Die Hauptfigur ist Mara Lorbeer, ein 15 jähriges Mädchen. Mit der Besetzung von Lilian Prent hat die Produktion einen hervorragenden Griff getan, Lilian ist so natürlich, so wach, so lebendig aber auch gefühlig, sie traut sich was und steckt ihre Kollegen (und die Regie und wohl auch vice-versa) an.

Die Sache mit den Visionen, die sie hat, die wird zwar ernst genommen, aber nicht todernst. Es bleibt genügend Platz für Brechungen und für Humor. Allein die Welt in der Mara aufwächst, in München in der Au (da wo auch Carl Valentin gelebt hat) mit einer esoterischen Mutter (Esther Schweins bringt das ohne Firlefanz rüber), die die Tochter dauernd an Workshops mitschleift, mit Bäumen reden oder Rückführungsworkshops (nie billig von oben herab gezeigt), und auch die Kleidung, die sie der Tochter verpasst, ist genau ökologisch-esoterisch reflektiert und richtet sich nicht nach der Mode. Was Mara in der Schule noch weiter zur Außenseiterin macht.

Maras Visionen gründen in der Zeit altgermanischer Sagen, die seit der Hitlerzeit in Verruf gekommen sind (auch das reflektiert der Film mit einer kleinen Bemerkung); die zu erforschen sich ein Professor an der Universität München vorgenommen hat. Es ist Jan Josef Liefers, der diesen Professor Weissinger schnurrig gibt und der von den Visionen von Mara hochgradig elektrisiert ist.

Wie denn die Pubertät eine elektroaffine Zeit ist. Zusammen begeben Mara und der Professor sich in die alten Zeiten, erleben Begegnungen mit Siegfried und dem Drachen, was zu erheblichen Störungen auf einem Münchner Mittelaltermarkt führt. Gottseidank gibt es ein Mittel, peinliche Bilder vom Professor hoch zu Ross mit knackigem Siegfried, wieder vergessen zu machen, Vorgriff oder Parallele zu den neuesten Möglichkeiten bei Google.

Die modernen Kommunikationsmedien spielen eine entscheidende Rollen auch fürs Geschichtliche und sind ein Mittel auf dem Weg zum Professor. Dabei spielt allerdings auch der Brunnen vor der Universität eine „zufällige“ Rolle.

Es wird fröhlich unterrichtet in diesem Film. Der Professor zeigt Beispiele missverstandenen Germanentums, Gegenstände kommerzieller Natur, historisch unrichtig. Es wird viel geredet und erklärt in diesem Film, der uns mit einem schier unlösbaren Problem einer Pubertierenden konfrontiert. Denn sie ist ausersehen, die Menschheit zu retten, das erzählt ihr ein Zweig. Dabei spielt Loki aus der eddischen Dichtung eine Rolle, der im Gedärm seines Sohnes auf einen Steinblock gefesselt liegt – in der alten Germanenzeit.

Manche Details der Story sind vielleicht für den, der die Romanvorlage nicht kennt, nicht ganz schlüssig nachzuvollziehen, spielt aber keine Rolle bei dem Charme der Inszenierung, bei der Frische, wie selten in einem deutschen Film, und auch Schauspieler, die einem sonst eher als routiniert auffallen, wie Heino Ferch, tauchen in sympathischen Kleinauftritten auf, an denen sie sichtlich Spaß haben und die sich prima einfügen ins Need der Story; ebenso das schräge Polizistenpaar.

Der Film spielt durchaus auch mit der Unwissenheit über die Sagenwelt. Aber Krappweis lässt uns spüren, dass er ganz genau weiß, was er erzählen will. Allein das ist schon viel. Der mangelnde Bierernst überträgt sich positiv als Vergnügen an der Sache. Und mit den Computereffekten geht das Team auch nicht schlecht um. Der Film hat mir jedenfalls mehr Vergnügen gemacht als das letzte Hobbit-Teil. Unverkrampfter Lindwurm.

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