Gespensterjäger

Das Aufregendste an diesem Kinderfilm dürfte sein Zustandekommen sein: ein Riesenwirbel an Koproduktionsaktivitäten und -kompromissen. Wer aber seinen Kindern Kino-, Geschmacks- und Fantasiebildung, Sprach- und Sprechkultur vermitteln möchte, der dürfte sich hier auf der falschen Baustelle befinden.

Hier knallt ein lieb-, farb- und geruchsloses Synchronhochdeutsch aus den Tonboxen (sehr oft äußerst schlecht lippensynchronisiert), dass einem die Ohren wackeln, inhaltlich derb dazu, das Arschwort eines der beliebtesten, Grobkultur zum Weghören.

Für diesen hochkompliziert koproduzierten Film haben Tobi Baumann, Murmel Clausen, Martin Ritzenhoff, Christian Tramitz, Roland Slawik und Mike O’Leary, gegen gutes Fördergeld vermutlich, eine Romanvorlage von Cornelia Funke verhackstückt.

Immerhin hat der Film eine Hauptfigur, was schon viel ist im Filmland, den elfjährigen Buben Tom, der zum Gespensterkämpfer wird mit Hilfe einer Gespensterjägerin. Dazu kommt noch das Glibbergespenst Hugo, ein nicht besonders witzig oder charmant gezeichneter, etwas aus der Form geratener, grüner Ballon.

Diese drei müssen sich nun durchkämpfen durch einen willkürlichen Riesenverhau an Bühnenbild, Computeranimation und weiteren Darstellern, die kaum nach Rollenfitting oder Schauspielerqualität ausgewählt worden sein können, sondern lediglich nach Namen und Positionen im Pfründenstadel; das Trio hat ein einsames Eisgespenst zu bekämpfen, das die Welt zu vereisen droht (Vorbild Die Eiskönigin ist Kinohimmel pur dagegen).

Als oberste Instanz hat diesen Zirkus zu verantworten Lucky Bird Pictures. Die Koproduzenten waren Warner Bros. Film Productions Germany, Immer Wieder Gerne Film, Lotus-Film, Ripple World Pictures, Arri Film & TV Services und Satel Film.

Gefördert wurde das lieblose Produkt von
FFF Bayern (Geschäftsführer Dr. Klaus Schaefer, Vorsitzende des Aufsichtsrates, Staatsministerin Ilse Aigner)
Film- und Medienstiftung NRW (Geschäftsführerin Petra Müller, Vorsitzender Aufsichtsrat Prof. Dr. Werner Schwaderlapp)
Filmförderungsanstalt FFA (Vorstand Peter Dinges)
Deutschen Filmförderfonds DFFF (Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters)
Österreichisches Filminstitut ÖFI
Filmfonds Wien FFW
Filmstandort Austria FISA
Irish Film Board
und unterstützt durch
Bayerischen Bankenfond
Section 481 (Irland)
Media Programm der Europäischen Union.

Deprimierend: hier scheint es allen Beteiligten nur ums Geld und nicht um die Sache zu gehen; ein Subventionsmelkprodukt.

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