Forever and a Day

Katja von Garnier stellt eine beachtliche Leistungsbilanz der Rock-Band „Scorpions“ zusammen. Kompilation aus Statements, Aufnahmen aus der Geschichte der Band, vor allem ihrer dreijährigen Farewell-Tour rund um die Welt, zu der Klaus Meine, der als der Spiritus Rector der Band rüberkommt, meint, da sei wohl die Seele gelegentlich zurückgeblieben.

So richtig aufhören können die Herren, alle längst im Rentenalter, nicht. Es fällt ihnen schwer, Abschied zu nehmen. So gibt es am Schluss bereits Aufnahmen von einem weiteren Auftritt, wo die alten Jungs sittsam brav auf Barhockern thronen.

Allzuviel erfährt man nicht über die Gruppe in diesem Film. Dass sie alle aus Niedersachsen kommen, dass sie sehr früh sich für die Musik begeistert haben, dass sie offenbar ganz klare Ziele im Kopf hatten, dass sie ihre Auftritte bei den Fahrten reflektiert und diskutiert haben, was ihnen bei ihrem Durchstarten in Amerika, wo sie in den 80er Jahren eine Weile lang die Topgruppe waren, zugute gekommen ist, dass in den 90ern eine Abwärtsbewegung des Erfolges eintrat bis zum Angebot gemeinsamer Auftritte mit den Berliner Philharmonikern, dem Wendepunkt.

Im Alter gibt’s Wehwechen, Stimmverlust, mal im Bett liegen, ein Polyp auf dem Stimmband, ein abgesagtes Konzert (das dritte in der jahrzehntelangen Weltkarriere, das sei beachtlich wenig, meint der Manager) und gelegentlich arg bemühtes Armschwenken, um das Publikum zum Mitmachen zu animieren. Ein Merkmal des Erfolges könnte gewesen sein, dass bei diesen Rockmusikern unter der Macho-Lederjacke ein Herz zu spüren war, meint Meine. Am gerührtesten waren sie, als sie ihre Mütter und Väter zum Konzert im Madison Square Garden nach New York einladen konnten. Vielleicht der emotionalste Auftritt ist die Widmung eines Songes an die eben verstorbene Mutter des Leadsängers. Die Chemie in der Band stimme.

Vor allem aber ist der Film eine endlose Aneinanderreihung von immer gleichen Konzertmitschnitten, von den gigantischen Shows. Für den Fan sicher begeisternd, der auch die Geschichte kennt, für den Außenstehenden eher ermüdend und erdrückend. Für den waren Musikfilme wie Wacken 3D von Norbert Heitker mit den kleinen Fangeschichten als interesseleitendem Motiv oder Bavaria Vista Club von Walter Steffen mit seinem Heimat-Musik-Thema als solchem das viel über die Hintergründe der Bands und ihre Motivation erzählte, deutlich ergiebiger oder auch Metallica through the never, in dem die Show, die geprobt wurde, allein eine Story abgibt.

Hier erschlägt einen die Masse an Konzertszenen, die erdrückende Erfolgsbilanz, die Katja von Garnier auffährt; der Film dürfte in seiner Kurzschnittigkeit und Kurzatmigkeit sowieso fürs Fernsehen gedacht sein. Ein Erfolgsfolgeprodukt.

Wie man eine aufregende Doku über die Rockmusik macht, das wird ab nächster Woche nur für kurze Zeit in den Kinos die traumwandlerisch dichte Doku von Brett Morgen über Kurt Cobain zeigen „Cobain: Montage of Heck“, die sich direkt ins Gefühls- und Denkzentrum des jung verstorbenen Musikers hineinbohrt.

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