Die Mannwerdung kann eine harte Sache sein, besonders in voraufklärerischen Zeiten, die vollgestopft sind mit Bildern von Hexen und Riesen und Ungeheuern und Zauber und Magie und Aberglauben und Glauben an Bestimmung.
Besonders hart wird die Mannwerdung, wenn der Lehrmeister Master Gregory heißt und von Jeff Bridges gespielt wird und wenn für die Leinwandzudröhnung der Russe Sergey Bodrow zuständig ist, dessen Rezept für diesen metaphysischen Faschingsauftrieb nach dem Motto “SciFi“ das Drehbuch von Charles Leavitt, Steven Knight, Matt Greenberg nach dem Roman von Joseph Delaney (inspiriert) ist.
Der Auserwählte, also der Siebte Sohne eines Sohnes, heißt Tom Ward (Ben Barnes) und kann selber der Sohn einer Hexe sein, die wiederum von einer anderen Hexe abstammt. Gigantisch über allen Hexen thront Julianne Moore in genretypischem Hollywoodkostüm als Mother Malkin.
Was Hexen sind, muss in diesem Film verbrannt werden. Aber die wissen sich zu schützen. Sie haben auch ihre Tricks auf Lager, Verwandlung in fliegende Drachen und dergleichen und sie werden dabei hingebungsvoll von den Animationsspezialisten und den Special-Effects-Göttern am Computer unterstützt.
In regelmäßigen Abständen finden Kämpfe von ungleichen Gegnern statt, Ausbau früherer Ritterkämpfe dank Postproduktion, Schwertkämpfe, Kettenkämpfe oder mit glühenden Eisen. Es gibt ein Pulver, das man godzillagroßen Gegnern ins Gesicht streuen muss, um sie zu irritieren.
Ständig geht es ums Überleben. In den Atempausen zwischen den Kämpfen gibt es die reine, mythische Natur, den mythische Wald, den See, das Bergpanorama als Ausgleich zu den Fantasiestädten und imperialen Stadträumen wie sie nur an nimmersatten Computern generiert werden können.
Dass Tom ein Auserwählter ist, zeigt sich in den Prüfungen; es heißt, alle Lehrlinge vor ihm hätten die Lehrzeit nicht überlebt. Herr Ward wird es. Und, erstaunlich, er wird ein ganz ein anständiger Mensch werden, mit einer kleinen Hütte in reiner Natur und einem Garten, einer Idylle im Sinne von Voltaires „soigner son jardin“.
Vielleicht wollen junge Männer mit solchen Bildern zugepupst werden, wo es hauptsächlich ums Überleben, ums Siegen, ums Meistern geht, um Stärke und Kraft (und Zielpublikum dürften genau jene sein, die privat dem Traum vom Schrebergarten hegen).
Was dieser Film an Bildern aus einem voraufklärerischen Fundus an Visionen, Spuk, Berufung, Aberglaube, Schicksal, bösen Geistern, apokalyptischem Reiter auffährt, wirkt wie ein metaphysischer Fasching und die Lehre, dass die Verführung durch die Frau für einen Helden das Gefährlichste ist, die kennen wir aus der Odyssee. Immerhin: Verrat ist eine Sünde. Moral: Lebe Dein Leben, Dein Schicksal.