Pepe Mujica: Der Präsident – Lessons from the flowerbed

Doku über den Präsidenten von Uruguay, Pepe Mujica; dessen Amtszeit eben jetzt endet.
Er war Revolutionär. Er sass lange im Gefängnis. Er glaubt noch an einen Fortschritt der Menschheit. Er lebt als einfacher Bauer. Er baut mit seiner Frau Blumen an. Manchmal fährt er Traktor. Für sich persönlich hat er zwei alte VW-Käfer in einem Blechunterstand.

Jetzt ist er Präsident. Die Dokumentaristin Heidi Specogna begleitet ihn über den Zeitraum der Gesetzgebung zur Regulierung von Anbau und Handel mit Marihuana; diese ergibt den sporadischen Faden einer Erzählung in diesem bemerkenswerten Präsidenten-Portrait.

Pepe ist leidenschaftlicher Philosoph. Hinter dem Präsidentenpult mit dem vielen Papier drauf schaut er etwas resigniert. Er spendet einen Teil seines Einkommens für die Armen. Er will Hilfe zur Selbsthilfe fördern. Er will den Armen nicht Fische schenken, sondern Angelruten, damit sie selber Fische fangen können. Er spielt den Pomp zwar mit. Aber er hat keine Lust mehr zu reisen. Sein Außenminister löchert ihn jedoch ständig. Pepe sagt, im Alter ist man am liebsten zuhause. Er wird am 20. Mai dieses Jahr 80.

Selbst als Präsident tritt er einfach gekleidet auf, wenn nicht gerade das Protokoll mehr verlangt. Kaum je eine Krawatte. Bei einem Staatsbesuch in Berlin wirkt die Berliner Republik noch mit Christian Wulff als Staatspräsident und Wowereit als Bürgermeister von Berlin wie ein riesiger, aufgeblasener Popanz. Aber auch den Berlinern sagt er seine Weisheit und warum er gekommen sei.

In manchen Dingen ist Uruguay ein sehr fortschrittlicher Staat. Die Gefahr, dass Pepe noch abhebt, besteht kaum. Man sieht ihn mit Obama, der ihn bewundert. Eine berühmte Popgruppe überreicht ihm eine signierte Gitarre. Er macht den Staatspomp mit, der aber in Montevideo im Vergleich zu Berlin bescheiden ist. In so einem großen Auto wie in der Berliner Staatskarrosse sei er noch nie gefahren, sagt er Frau Merkel, die auf so einen Satz von einem Staatsoberhaupt nicht vorbereitet ist.

Pepe komme sich vor wie ein Erdklumpen mit Füßen, meint er. So ein konkreter Mensch, der auch über die Liebe und den Halt, den sie ihm gibt, spricht, wäre noch an vielen politischen Positionen wünschenswert. Er sagt, ein bisschen machen sie ihm das Leben schwer. Auch gibt es Probleme mit Argentinien.

Der Film konzentriert sich auf die Marihuana-Story. Er will sich sowieso nicht wie Wikipedia aufführen und eine Masse an biographischen Daten liefern. Ein bisschen mehr hätte es sein können, wer ist diese Frau mit dem Hüftleiden, die die drittwichtigste Position im Staate innehat, die Pepe den Amtseid abgenommen hat und die ihm zuhause einen Mate-Tee auf die Sitzbank serviert? Die Frau mit dem schlohweißen Haar. Es ist aber nicht die Frau, mit der er zusammenlebt und Blumen züchtet, die sie auf dem Markt verkauft?

Pepe ist ein versierter Redner vor großen und kleinen Auditorien. Er spricht für das Abenteuer der Selbstverwaltung, warnt vor den Gefahren des Kapitalismus mit seiner Hektik, seinem Tempo, dem Druck, den er macht. Und er weiß, wenn er eine Siedlung mit Häusern für Frauen mit vielen Kindern eröffnet, dass das noch nicht das gute Leben garantiert, dass das nur ein Hilfsmittel sein kann. Man möchte diese Häuser in einigen Jahren wieder sehen.

Zwischendrin singt ein Fischer am Hafen ein argentinisches Lied und einmal schiebt der Präsident zuhause eine DVD mit einem Tango in den Player und sinniert darüber, dass dieser nur für ganz intime, kleine Kreise geeignet sei.

Er weiß, dass das Abenteuer Sozialismus noch nicht am Ende ist, dass er immer wieder neue Wege gehen muss. Erregend auch die Szene, wo er eine moderne Einkaufsmall betritt und mit einem Begleiter zu erurieren sucht, wo hier an welcher Stelle welche Zellen des früheren Gefängnisses gewesen sei, in dem er jahrelang eingesperrt war.

Pepe Mujica sieht sich als Soldat des Lebens, fast wie ein Prister, das hat er den Berlinern mit auf den Weg gegeben. Wie aufgeplustert dagegen doch unsere Politiker wirken, die zwar Bescheidenheit gewiss auch für eine Zier halten, jedoch der Meinung sind, weiter kämen sie ohne ihr – und daher ständig nur um ihr Pöstchen Angst haben, statt sich auf die wichtigen Dinge einer gerechten Gesellschaft zu konzentrieren.

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