Darüber kann jetzt philosophiert werden, ob Trabantenstädte in Gallien dem Titel „Land der Götter“ angemessen sind. Und ob diese Götter wirklich so göttlich sind.
Wir kennen sie, die Gallier, den smarten Asterix und der weltkugelrunden Obelix und alle, alle. Sie mit ihrem Zaubertrank und den barbarischen Urkräften. Sie müssen sich in diesem Film von Alexandre Astier und Louis Clichy nach dem Drehbuch von Alexandre Astier und Jean-Rémie Francois, die den berühmten Comic von René Goscinny zur Grundlage für ihre Animation hatten, mit der Gentrifizierung, mit dem Culture Clash und Immigranten aus dem Süden, aus Rom beschäftigen.
Die Gallier bezeichnen sie als Eindringlinge, sie selbst, speziell jene römische Familie, die bei einer Veranstaltung im Kolosseum von Rom eine moderne Hochhauswohnung im „Divina Domus“ in der entlegenen Trabantenstadt gewonnen hat, als eine „Familie in Not“. In Not gerät sie wirklich, weil die blöde Verwalterin, die die Wohnungen vergibt, immer das Fehlen eines Dokumentes bemängelt. Bis die Familie schließlich mit einer Stoßkarre voll beschriebener Steine im Foyer auftaucht.
Gentrifizierung, das Hochziehen von Wohnhochhäusern, das wird hier vorexerziert. Zuerst sind es die Sklaven, die bauen müssen. Sie rebellieren, erhalten umgehend die Freiheit und damit gleichzeitig das Wohnrecht. Allerdings müssen sie jetzt Miete bezahlen, somit müssen sie ein Geld verdienen – also geht die Maloche wieder von vorne los – schönes freies Arbeiterdasein.
Caesar befiehlt im fernen Rom, dass die Galliersiedlung dem Erdboden gleich gemacht werden soll. Aber seine Legionen haben Angst vor dem berüchtigten Zaubertrunk der Gallier. Doch der ist ihnen ausgegangen und einige ihrer wichtigen Darsteller werden im Hochhaus gefangen gehalten. Der alte Druide wird versuchen mit zivilisatorischen Zutaten, die ihm zufliegen, einen neuen Trunk zu brauen, denn die Römer haben inzwischen gemerkt, dass die Gallier nur bluffen.
Die deutsche Synchro ist angenehm farbig und unterstützt prima das Unterhaltsame an all den Problemen, die sich zwischen Römern und den Galliern entwickeln durch die weltfremden Besiedlungsentscheide aus dem fernen Rom.
Aber die Frage, die Obelix stellt, kann der Film nicht beantworten, wozu denn Römer gut seien, wenn man nicht draufhauen dürfe. Mit leichtem Augenzudrücken betrachtet ein durchaus heutiger Film, der heutige Problematiken originell verpackt und behandelt, den Widerspruch zwischen Stadt und Land, zwischen Barabaren und Zivilisation, zwischen Sklaven und „freien“ Arbeitern“, zwischen Einheimischen und Zuwanderern, zwischen anonymen Hochhaustrabantenstädten und „wohnlichem“ Dorf.