Mundstuhl, Lars Niedereichholz und Ande Werner blödeln und witzeln sich in Aschaffenburg vor Publikum durch ihr neues Programm „Ausnahmezustand! Live!“. Der hessische Rundfunk hat die Aufzeichnung besorgt, die jetzt als DVD erhältlich ist. Die Skala von Mundstuhl streift alle Regionen von tief unter der Gürtellinie über das Sexistische und Rassistische, das Hygienische, das Vulgär-Obszöne bis zum abgehoben kopfig-absurd Dadaistischen.
Ohne Skrupel, ohne Hemmung, ganz ohne einen Storyfaden stehen die beiden Akteure vor dem Publikum, werfen sich die Bälle lang geübt zu, verbreiten eine familiäre Atmosphäre und das Publikum ist anständig genug, das Perfide zu schlucken, was die Gute-Laune-Verbreiter ihnen unterjubeln. Sie klamauken und klamotten sich mit wenig Requisiten und ein paar Verkleidungsstücken und Perücken durch ihr Programm, gelegentlich verhaspeln sie sich gekonnt in Abstrusitäten.
Wenn sie, was gottseidank nicht oft vorkommt, singen, dann ihren Hauptschlager „Ich hab noch Sand im Po von Santa Lucia“, der auch als Videoclip auf der DVD samt einem kurzen Making-of in einem Hotelzimmer in Stuttgart als Bonus-Material drauf ist.
Ihre Themen irren und springen und hüpfen von der Pinguinheizung über das Duschen und dass Frauen schneller stinken, über die Verschiebung der Erdachse, Sebastian Vettel und die Pole-Kappen, über das Sehen, das Licht, die Grubenarbeiter und Totgeburten, über Frauen, ihre langen Beine und deren Waschlappen, über das Alt- und Runzligwerden, Besuch aus Rothenburg und die rosa Tante, das freiwillige asoziale Jahr, eine Verbraucherschau-Parodie mit einem Mittel gegen Arbeitslosigkeit und zur Eindämmung von Alimentenzahlungen sowie über einen healthy selfcastrator, Ausländerproblematik mit Deutsch, Transgender, eine Siegfried- und Roy-Parodie und die wichtige Frage, hat es Elute gegeben? Oder die elementare Frage, spricht man Stute nicht besser als Schetute aus?
Zwischen den Liveauftritten gibt es Video-Inserts, die beiden im Wald, wichsen und sich tarnen und andere Unebenheiten, von zwei Lederschwulen im Supermarkt oder zwei Eichhörnchen am Frankfurter Flughafen und ähnlichen Quatsch.
Für Fans und Freunde des Hessischen und des sprachlich-dadaistisch-vulgär-derb-seichten Blödelns und von viel Scheissendreck.
Der Hessen verdorbene Enkel von Datterich nennen sich Comedians und kennen keine Scham.
Und immer noch einen Joke aus dem Handgelenk.
Ein Hühnchen hat nicht mal ein Euter.