Da muss Mann durch

Der Vorläuferfilm hieß „Mann tut was mann kann“. Stefes Begeisterung hielt sich in Grenzen („Komödiengeschichtsvergessene, bleifüßige deutsche Boulevardkomödie für ein gesetzteres, anspruchsloses Publikum, das sich darüber vergnügen möchte, wie in die Jahre gekommene, nicht mehr ganz junge Herren Liebesprobleme wälzen, die sie schon mindestens ein Jahrzehnt früher hätten durchseuchen müssen. Komödie der „neuen Alten“ in wenig erhellter Zeit.“).

Jetzt sind die Darsteller noch mehr in die Jahre gekommen, sehen noch verlebter aus, brauchen noch mehr Schminke, sind behäbiger geworden und was die Erhellung betrifft, so ist in dieser Fortsetzung von großen Lichtproblemen zu sprechen, die sich bei der Drehzeit in Mallorca ergeben haben und die in der Postproduktion nur ungenügend behoben worden sind. Stellenweise wirkt es so, als sei jeder Take zu einer anderen Tageszeit, mal bewölkt, mal grelle Sonne geschoßen worden; lange Schatten, kurze Schatten, keine Schatten.

Als Regisseur fungiert ein Thomas Lee, über den das Presseheft gar nichts verrät. Bei IMDb gibt es aktuell einen Hinweis auf Marc Rothemund. Hier schlägt der Sohn nach seinem Vater Sigi Rothemund, der für Filme, für die er sich genierte, ebenfalls ein Pseudonym benutzt hat: „Siggi Götz“ , welches bei IMDb inzwischen offen gelegt ist. Dieses Pseudonym wiederum ist die Namensinspirationsquelle für SigiGötzENTERTAINMENT, einer Website und einer Zeitschrift von und für Film- und Entertainment-Enthusiasten, die von Ulrich Mannes herausgegeben werden. Dass das Pseudonym „Thomas Lee“ mit einem Film wie dem vorliegenden allerdings Leute fürs Kino begeistern könnte, ist eher auszuschließen.

Der Film verzichtet konsequent auf alles, was ein Publikum verführen könnte: zwingende Story, Witz, Tempo, Gags, Charme, Erotik, Situationskomik bis Tragikomik, Konflikte, die sich ins Absurde steigern.

Der Verdacht, dass auch die Filmemacher spürten, dass es an allen Ecken und Enden hapert, wird leicht bestätigt durch die Zudröhnmusik, die sie holterdiepolter über die Bilder legten.

Vielleicht war der Wurm drin in der Produktion. Aber die Texte von Hans Rath, die sind eben auch nicht so von der Zunge weg zu sprechen, mit ihren vielen Schriftsprach-Relativsätzen und der chronischen Frage, was denn hier los sei, die im deutschen Kino prinzipiell auf schwache Drehbucharbeit schließen lässt.

Es gibt einen Ansatz von Grundstory. Wotan Wilke Möring als Paul Schubert ist Personalchef einer großen Firma. Bei einer Jubiläumsfeier auf Mallorca verliebt er sich in die Tochter des adeligen Chefs. Die bekommt allerdings gerade von einem reichen Briten einen Heiratsantrag. Und Herr Schubert ist ihren Eltern sowieso nicht genehm als Schwiegersohn. Merkwürdigerweise will aber die Firma ihn und noch einen Kumpel von ihm zum Vorstandsvorsitzenden oder irgend so was Haarsträubendem machen, haarsträubend, weil nichts, aber auch gar nichts weder am Spiel der Adeligen (den Besetzungen fehlt schlicht die Souveränität), noch der Unternehmer, auch den Personalchef nimmt man Möring nicht ab, stimmt, es wirkt alles rein theoretisch oder soapmäßig, mit wenig Rollenstudium.

Entsprechend die Inszenierung, das sind vor allem erstarrte Stehpartys mit Textaufsagen. Einzig die prallen Brüste von Simone Thomalla am Pool bringen kurzfristig etwas Erotik in den abgestandenen Plot, in das müde, uninspirierte, wenig durchdachte Spiel.

Es scheint, dass diese Fortsetzung zum Vornherein geplant war. Im Presseheft stellt es sich so dar, sie hätten sich „sehr gefreut, dass das Publikum dem Film so zugesprochen hat“ steht über den Vorgängerfilm – einen Erfolg beschreibt man anders – „Und wir wollten es nicht zu lange warten lassen und hatten deshalb schon vorgearbeitet“ – allzu zahlreich dürfte das Publikum nicht sein, das auf diese Fortsetzung wartet. Auf den mäßigen ersten Teil folgt nun der noch mäßigere zweite Teil, bei dem es sich offenbar nur noch um ein eingefahrenes Modell zum pfründenhaften Abgreifen von Subventions- und Fernsehgeldern handelt ohne Rücksicht auf Kollateralschäden beim Publikumsandrang und mit Subventions-Starnamen wie Julia Jentsch (warum die sich für so ein schwaches Produkt hergibt, so verleiht sie ihrm Namen keinen Glanz), Jan Josef Liefers, Oliver Korritke. Was so eine Produktion allein an Flug- und Unterbringungskosten den Gebührenzahler kostet! Darum musste dann wohl bei der Regie und vielem anderem gespart werden. Das sieht man dem Produkt deutlich an, es wirkt wie ein Möbelstück, das nicht sachgerecht verfugt ist, diese einfältige Liebesgeschichte.

Eine Rüge für die Unterstützung dieses jeden Anspruch auf förderungswürdige Filmkultur beleidigenden Geworges verdienen: Medienboard Berlin-Brandenburg (Kirsten Niehuus), Filmförderungsanstalt FFA (Peter Dinges), Mitteldeutsche Medienförderung (Manfred Schmidt), Film- und Medienstiftung NRW (Petra Müller), nordmedia (Thomas Schäffer), Deutscher Filmförderfonds (Monika Grütters). Das Zwangsgebührenfernsehen ist auch mit dabei; das verdient einmal mehr die Rote Karte.

Aus den Komödien-Dialogen:
Willst du dich frisch machen? Da ist das Bad. Soll ich auf dich warten?
Ich bin 37 und will ein Baby und wenn die Männer das hören, laufen sie davon, weil sie nicht mit Druck umgehen können.
Was machst Du denn hier?
Ich will nicht, dass dem Porsche was passiert, wenn das Dach runterkommt.
Schlagen wir doch ein paar Bälle und reden.
Der Scherz ist das Loch, aus dem die Wahrheit pfeift.

Um zu einem Ende zu kommen, werden hinten billig hingerotzt Mallorca-Glücksimpressionen rangeschnitten.

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