Ein Film, der seine Hauptdarstellerin um Verständnis bitten lässt, den Teen Asia, ein Mädel kurz vorm Explodieren der Pubertät, das sich schon früh im Film die Haare kurz wie Twiggy schneiden lässt.
Der Film spielt 1984 in Italien. Er schwelgt schamlos in der plakativen Schilderung kaputter Familienverhältnisse. Darum wird die dritte der Töchter, Asia, pausenlos hin- und hergeschoben zwischen ihren Eltern, dem Künstlerehepaar Bernadotte, er berühmter Schauspieler, sie eine weniger berühmte Pianistin und Nymphomanin. Einmal fragt Asia, wie die Mutter es schafft, immer wieder die Männer auf sich aufmerksam und verliebt zu machen. Sie hat einen Männerverbrauch, wie andere Leute Zigaretten rauchen.
Früh im Film findet die Trennung der Eltern statt. Das Familienleben war unerfreulich. Asia ist die Vernachlässigte. So kann denn der Film Unglücksszene an knallige Unglücksszene fügen. Dafür kann man schon mal um Verständnis bitten.
Die älteste Schwester Lucrezia mit ihrem Pink-Knall ist schon voll ausgewachsen, ein blondes Vollweib und vom Vater vergöttert. Sie zieht mit ihm aus. Es gibt viele Szenen in der Schule. Die dickste Freundin und Asia, die nennen sich gegenseitig nur „Ist“, und behaupten, alle Geheimnisse zu teilen. Man kann sich vorstellen, wie lange so etwas anhält. Bis zum ersten Blondschopf, Adriano. In den verliebt sich Asia. Aber ihr wertvollstes Wesen ist die schwarze Katze, die ihr auf der Straße zugelaufen ist. Was ihrem Vater gar nicht gefällt. Denn er ist abergläubisch. Für ihn gibt es nichts Schlimmeres, als eine schwarze Katze, die über das Drehbuch für seine Filmhauptrolle geht. Aus der Rolle wird dann auch nichts.
Asia jedenfalls wird ständig wieder rausgeschmissen von dem Elternpart, bei dem sie sich gerade befindet, immer wieder ist sie unterwegs mit kleinem Gepäck, dem weißen Käfig mit der schwarzen Katze drin. Die Schule ist noch der stabilste Punkt oder zum Schwänzen geht sie auch mal in die Kirche, um dort eine merkwürdige Beichtszene mit einem heftig schnaufenden Priester zu erleben.
Der Film will knallig wirken, auch mit den musikalischen Effekten, die nicht allzu sensibel gesetzt werden. Er versucht mit Schnoddrigkeit zu punkten. Er scheint mehr Lust an der Schilderung der Kaputtheit der menschlichen Verhältnisse zu haben, denn die Absicht der Ergründung oder des Verstehens. Er wirkt wie eine anekdotische Aneinanderreihung von Dingen, die möglicherweise in einem Vorbildfall oder in einem Roman geschildert werden.
Der Film verzichtet vollkommen auf Charakteranalyse der Hauptfigur und somit auf deren Konflikte. Asia geht durch den Film und die Verhältnisse, mal traurig, meist staunend, ohne Widerstand, letztlich auch nur mit sich und dem eigenen Unglück beschäftigt wie die kaputte Erwachsenenwelt.
Ein Film wie ein punkiges Plattencover (der arschcoole und viel jüngere Punk Ricky ist auch einer der Lover von Muttern, Charlotte Gainsbourg). Oder die Verarsche beim Ball, wo sie das Sündenzimmer eingerichtet hat, und im Dunklen statt Adriano das Dickerchen vor sich hat. Enttäuschung.
Ein Film von Asia Argento, das Buch hat sie mit Barbara Alberti geschrieben wie frisch von der Leber weg.
Freiheit des Teens: ich mach was ich will, heißt, mit der Freundin auf dem Klo Zigarette rauchen und anschließend in die Schüssel sich erbrechen.
Oratoriumsmusik zur Zerstörungsorgie beim Ball.
Miss Verstanden.