Die Sprache des Herzens

Eine dichte, mit hoffnungsvollem Licht durchflutete Meditation über den Weg zur Kommunikation einer jungen, verwilderten, taubstummen Frau im Frankreich des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts.

Die Farben des Filmes sind weich, vor allem verschiedene, weiche Grüns, die verschiedenen Blau des Nonnenordens, in welchem Marie aufgenommen und zivilisiert wird, und ganz selten dazwischen einige knallrote Tomaten.

Schwester Marguerite ist die Nonne, die wie vom Schlag getroffen wird, wie sie sieht, wie eine Taubstumme mit zerzaustem Haar, verdrecktem Kleid, ohne Schuhe und gefesselt auf einem Pferdeholzwagen von ihrem Vater ins Kloster gebracht wird. Sie ist taub, stumm, blind, wie ein wildes Tier, schlägt um sich und vor den Menschen rettet sie sich auf die Bäume.

Schwester Marguerite will sich um die junge Frau kümmern, ihr den menschlichen Austausch mittels Gebärdensprache beibringen. Da die Schwestern im Kloster taubstumme Mädchen betreuen, ist Marguerite der Gebärdensprache mächtig.

Die Oberin wird ihr Ersuchen erst ablehnen, aber Marguerites Hartnäckigkeit wird belohnt. Sie kann die junge Frau bei deren Eltern abholen und sich um sie kümmern. Das wird mit vielen Rangeleien und Berührungen mit den Händen und Abtasten von Gesichtern, mit viel Widerstand und unendlich viel Geduld erst nach Monaten zu ersten Ergebnissen führen. Zu einem Taschenmesser hat die Stumme einen besonderen Bezug. Dieser Gegenstand wird einer der ersten sein, den sie zu gebärden lernt. Er folgen Kuh und Fensterscheibe, Gabel, Brot, Karotten, Apfel und Trauben.

Je mehr Marie in der menschlichen Gesellschaft ankommt, desto kränker wird allerdings Marguerite, die von einem schweren, unheilbaren Lungenleiden heimgesucht wird. Die Erfüllung ihres Lebens wird sein, dass sie Marie das Gebärden und das Lesen beibringt. So wird sie denn ruhig sterben können.

Der Film möchte den Zuschauer in atemloser Nähe teilhaben lassen an diesem Vorgang, der doch an ein Wunder grenzt, im Sinne eines Bilderbogens des Nachvollzuges dieses langsamen Prozesses. Konsequentes Eintauchen in die Erweckungsstimmung. Kino als Nachvollzug, Kino als Naherfahrungserlebnis.

Beim Sterben geht es um die Auflehnung des Körpers gegen den Tod, gegen das Böse.

Ein anderer europäischer Film, der sich des Themas Blindheit neulich eindrücklich angenommen hat, ist Imagine.

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