The Homesman

Eine vereinnahmende Parabel über die Sehnsucht des Menschen nach Liebe und die Deformationen, die deren Nichterfüllung sowohl durch menschliche Ablehnung als auch durch die ökonomischen Umstände (und in deren Gefolge Krankheit wie Diphterie) herbeiführen können, angesiedelt in den Weiten Nebraskas und Iowas im Amerika Mitte des 19. Jahrhunderts.

Mary Bee Cuddy, Hilary Swank, 31, kämpft alleinstehend um ihr Überleben als Farmerin. Sie sehnt sich nach einem Mann. Macht auch ungeschminkt Angebote. Aber sie wird abgelehnt als zu dominant, zu autoritär. Das Leben hat sie hart gemacht. Immerhin arbeitet sie. Drei andere Frauen aus der Nachbarschaft haben auf die Nichterfüllung der Liebessehnsucht, wenn auch verheiratet aber missachtet, misshandelt, dadurch reagiert, dass sie verrückt geworden sind. Die Dorfgemeinschaft entscheidet, die drei Frauen zu einer befreundeten Methodistenkirche in Iowa zu bringen, damit sie in zivilisierteren Umständen genesen mögen.

Der Film nimmt sich anfangs viel Zeit, gemächlich-bedächtig der Gegend und der Zeit angemessen legt er die Bestandsaufnahme der Happiness der Bewohner der kleinen Stadt dar und wieso jemand die drei Frauen nach Iowa bringen soll und wer das sein wird: Mary Bee Cuddy, die anstelle eine Mannes, der das sicher nicht könne, am Losverfahren teilgenommen hat.

Mary wird diese gefährliche Strecke allerdings nicht allein mit den drei Frauen bewältigen. Weil sie George Briggs, Tommy Lee Jones, vom Strang errettet, kann sie ihn erpressen, sie zu begleiten. Er stellt sich selbst als alles andere, denn einen Homesman, einen verlässlichen Mann dar; er war bei den Dragonern desertiert und die Frau, die er geheiratet hat, hatte er eines Tages einfach sitzen lassen und ist abgehauen. In einer der anrührendsten Szenen des Filmes wird Mary Bee auch ihm einen Heiratsantrag machen. Vom Verstand, von der Vernunft her spricht doch alles für sie: sie hat eine Farm, sie hat Land, sie hat Tiere, sie ist jung und kräftig, sie hat Geld auf der Bank of Loup.

Briggs konnte sie ködern für die Fahrt mit der Aussicht auf 300 Doller. Er spricht anfangs nur abschätzig von der Fracht, die er nur des Geldes wegen möglichst schnell durch die Wüste bringen will.

Tommy Lee Jones spielt hier nicht nur die Rolle dieses Außenseiters, der sein menschenverachtendes Verhalten selbstverständlich nicht den ganzen Treck lang durchhalten kann, er hat auch mit Kieran Fitzgerald und Wesley A. Oliver das Drebhuch nach dem Roman von Glendon Swarthout geschrieben und die Regie geführt. Außerdem versammelt er eine beachtliche Schauspielerriege um sich und hat auch hinter der Kamera, bei der Ausstattung, Musik ein beachtliches Team zusammengestellt; und Meryl Streep als Frau des Methodistenpredigers: mehr Methodistenglück und -strahlen in einem einzigen Gesicht geht nicht.

Einmal mehr garantiert auch hier der Produzentenname Luc Besson für ungewöhnliches Kino, hier spröd-episch und überhaupt nicht anbiedernd erzählt, was den Zuschauer erst allmählich Teil werden lässt der sonderbaren Reisegesellschaft, die sich durch das Ödland in Richtung Iowa bewegt.

Für diesen etwa zweistündigen Film sollte man sich eine Auszeit gönnen, die zu einer intensiven In-Zeit werden kann.

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