Magic in the Moonlight

Bei Woody Allen scheint jeder Atemzug, jede Lebensäußerung die Szene eines Filmes zu werden. Er braucht nur seine Schneekugel zu schütteln und schon sieht er einen Film, kann uns eine weitere, nette Schnurre über das Leben, die Liebe und die Illusionen erzählen. Dazu gehört leicht jazzige Musik, Boogie oder Swing, hier aus den Roaring Twenties. Liebenswürdige Retro.

Der Film fängt in Berlin an mit der Show eines chinesischen Magiers, die üblichen Nummern, Elefant verschwinden lassen, Frau zersägen. Nach dem Erfolg gibt es kleine Widerhaken im Backstage-Bereich. Der große Magier Stanley ist nicht zufrieden, das Pochen einer Assistentin war nicht deutlich genug, große Gefahr, da zersägt er womöglich die Frau wirklich.

Dann zieht sich der Chinese die Maske runter; es ist Stanley. Er erhält aufgeregten Besuch von seinem Buddelkastenfreund, der ihm von einem ganz großen Medium mit unglaublicher Hellsichtigkeit erzählt, er müsse sie unbedingt sehen und in Südfrankreich kennenlernen.

Nach dem Berlin von 1928 taucht der Film jetzt ein in eine reiche, sorglose Mittelmeerwelt mit traumschönen Autofahrten, aufwendig gekleideten und frisierten Menschen, und es geht das Spiel los um die Illusion und die Liebe angereichert mit wohlgefälligen, geistreichen Bonmots. Nicht Gott hilft der alten Tante Vanessa, sie hat gute Ärzte.

Sophie, das Medium, hält gespenstische Seancen ab, bringt Tote dazu, Zeichen zu geben. Stanley beobachtet das fasziniert und irritiert. Woher kann sie so viel über ihn wissen? Sie wird umworben von Brice, einem reichen Schönling, gut gebaut, teuer gedresst, schwarz gelockt singt er mit seiner Miniukulele Liebessongs.

Woody Allen schildert eine Welt weit weg, eine Welt weit hinten in der Vergangenheit für einen gepflegten Afternoon-Tea. Eine runde Welt, in der es ständig etwas zu besprechen gibt, über die Anwesenden und die Abwesenden, über die Wahrheit und die Illusion, über das Fake und Nietzsche, immer gepflegt gebildet, auch Darwin, die Galapagos und Bora Bora schafften es ins Drehbuch. There is no real thing, every thing is fake. She is a fraud.

A romantic Woody Allen Love Tale wie vom gewohnt feinen Patissier. The lightning of an elefant oder eine Autopanne an wildromantischer Küstenstraße mit Zuflucht im Observatorium. Setting und Inszenierung wie anno dunnemals. I have never technically regarded you as a woman. Und dass das Leben nicht fair sei. Das kann man in so feiner Umgebung leicht behaupten. Dass die Liebe auf Lügen aufbaue. Colin Firth als Stanley, Emma Stone als Medium Sophie und Ellen Atkins als schrulliges Tantenungeheuer Vanessa, sie alle sind widerstandslos eingepasst in diese Weit-weg-Vergangenheitswelt.

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