Selten wurde in letzter Zeit in einem Kinderfilm eine Kinderfigur so ernst genommen und so glaubwürdig inszeniert und gespielt wie hier Finn in der Regie von Frans Weisz nach dem Drehbuch von Janneke van der Pal.
Finn ist zehn Jahre alt. Ein bisschen wie ein Engel mit seinem Lockenkopf und seinen Pausbäckchen. Er ist ein Außenseiter. Wobei das Wunder an der Inszenierung von Frans Weisz ist, dass er das nicht spielt, dass das für ihn eine Selbstverständlichkeit ist. Es ist für ihn eine Selbstverständlichkeit, dass seine Mutter bei seiner Geburt an Weihnachten vor zehn Jahren gestorben ist. Darum ist es für ihn eine Selbstverständlichkeit, dass er allein mit dem Vater, einem Schreiner, aufwächst. Und es ist für ihn eine Selbstverständlichkeit, dass er im Sportclub Fußball spielt, wie sein Vater es wünscht. Er kennt es nicht anders.
Weiter ist es für ihn eine Selbstverständlichkeit, dass er sich schuldig fühlt am Tod seiner Mutter. Und auch sein Freund, der mit dem Reitpferd, ist eine Selbstverständlichkeit für ihn. Die Freundschaft ist durch den gemeinsamen Schulweg durch das flache, grüne Holland entstanden.
Finn hat Ahnungen. Sein Vater versteckt etwas vor ihm. Es gibt da einen Schrank, da darf Finn nicht reinschauen. Eines Tages entdeckt er in einem einsamen, verlassenen Gehöft, an dem er beim Schulweg vorbeikommt, einen alten, weißhaarigen Mann. Etwas zieht ihn zu ihm hin. Es entwickelt sich widerborstig eine Beziehung, bis er herausfindet, dass das sein Opa ist. Und noch etwas fasziniert Finn: das Geigenspiel. Opa spielt Geige. Und bringt es ihm bei. Aber Vater darf das nicht wissen. Er hat keinen Kontakt zu Opa, ist allergisch gegen ihn, verbietet dem Jungen, dort ein- und auszugehen. Aber der Junge hintergeht seinen Vater. Geige intersessiert ihn mehr als Fußballspielen. Die Schüler verspotten ihn deswegen.
Durch den massiv sich steigernden Konflikt im Spannungsfeld von Opa, Fußball, Vater, Schule, Schulfreund (der eifersüchtig auf das Geigenspielen ist), Geigenspielen und Visionen von der Mutter werden die Leistungen in der Schule schlechter. Bis die Lehrerin hinter die geheime Passion von Finn kommt. Das ist vielleicht nach etwa einer Stunde im Film der Fall. Ab hier leidet die so schöne Geschichte. Sie stellt jetzt die vorherigen Realitätsebenen in Frage und kommt zu einem insofern nicht ganz zwingenden Abschluss, der herzwerweichend süß wird und an André Rieu denken lässt. Der Film ist trotzdem so schön, dass selbst die deutsche Synchronroutine ihm nichts anhaben kann.