Charles Dickens Little Dorrit (arte, ab 27. November 2014)

BBC-Serie von 2008

Dickens-Welt, wie wir sie uns vorstellen. Lauter quirlige, ihrem vermeintlichen Lebensvorteil nachhechelnde Figuren, die dadurch sehr schräge Figuren geworden sind. Extrembeispiel ist Jeremia, der Diener im Kaufmannshaushalt Clenman.

Ein jeder trickst und hat was zu verstecken. Indiz dafür ist die Uhr des kürzlich noch vor der Rückkehr von einer langen Seereise verstorbenen Kaufmanns Clenman. Sohn Arthur, der ihn auf der Reise begleitet hat, bringt sie der barschen, harten, abweisenden Mutter und jetzt Witwe, die auf einer Art Dachboden an den Rollstuhl gefesselt scheint, zurück. Er erkundigt sich nach dem Geheimnis der Uhr (ein handgeschriebenes Stück Papier „do never forget“). Da hat er wohl eine Grenze überschritten. Vom Moment an will die Mutter nichts mehr von ihm wissen. Sie macht das schiefe Hausfaktotum zum Teilhaber. Der Sohn wird fortgejagt.

Arthurs nächste Spur zu dem Geheimnis ist die Titelfigur Amy, little Dorrit, die mit ihrem Vater in einem Schuldengefängnis aufgewachsen ist und die jetzt, wie es scheint, aus Großherzigkeit bei Clenmans Witwe eine Stelle bekommen hat. Was verbindet diese beiden?

Arthur der verstoßene Sohn und Amy Dorrit aus dem Schuldengefängnis, das sind in diesem von Gewinnstreben und Gewinntricksen dominierten, sündigen und gleichzeitig pittoresken Wuseluniversum aus verkorkstem Reichtum, aussichtlosem Elend und brutalen Mieteintreibern, aus Imbeciles und Mondänen die einzigen „reinen“ Figuren, die noch nicht verbogen, noch nicht schief, noch nicht verkrustet sind. Wie weit können sie in die Krustenwelt eindringen, in die Welt der durch das ökonomische Denken verformten Menschen? Wie weit können sie Mensch bleiben, gar es richtig werden?

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