Sympathische Sätze zeigen eine coole Einstellung der Kultsendung Zündfunk zum Medium:
„Es muss sich nicht immer alles erschließen.“
„Da ist leider immer dieser fucking Kühlschrank drauf.“
„Wenn wir in Rusland versuchen, Entschuldigung, da ist ein Seitenumbruch, wenn wir in Russland versuchen..“
BR-PR in eigener Sache, verständlich, dass hier die Frage nach dem Grundauftrag des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks nicht gestellt wird.
Ein etwas traniger Sänger schreibt, nachdem er gesungen hat, auf den Boden eines Pappbechers „Zündfunk“, reißt den Boden raus und macht einen Sehschlitz draus. Schnipselverschnitt. 40 Jahre Zündfunk.
Sympathisch an diesem über 90-minütigen Stück Infotainment ist, dass es sich um eine Selbstreflektion der Institution Zündfunk handelt, dem im modernen Mediengewusel und im Internetzgezwitschere längst das Alleinstellungsmerkmal abhanden gekommen ist und dass diese Dokumentation von Jörg Adolph und Gereon Wetzel das auch ganz offen darstellt, dass sie dabei sind bei Redaktionssitzungen, bei selbstkritischen Diskussionen, Lifestyle oder politische Position, da sein, wo’s weh tut (Genua 2001 – auch schon eine Weile her), der Kampf um Hörer und Autoren, um den Markenkern. Dass sie uns nicht vorenthalten, dass die Macher jetzt viel mehr wuseln müssen, hinterm Netz herrennen müssen, um wenigsten sich die Aufmerksamkeit zu erhalten, die sie sich über Jahrzehnte erarbeitet haben.
Thema Schleichwerbung, dass sie um das neue Album einer Band vorzustellen mit großem Aufwand und Übertragungswagen vorfahren, was selbstverständlich PR ist, während schon bei einem Buch minutiös und skrupulös darauf geachtet wird, keine Werbung zu machen. Die Selbsterkenntnis, man sei schlampig geworden, es fehle oft an der Übersicht.
In die übliche, fernsehkurzatmige Szenenineinanderschneiderei ist ein Abriss der Kultinstitution Zündfunk eingefügt, den Zündfunk-Urgestein Roderich Fabian ins Mikro liest: von den 70ern, weil die öffentlich-rechtlichen den Aufbruch der Jugend verschlafen hatten, über Wackersdorf, als der Zündfunk der Opposition in Bayern eine Stimme verlieh bis zum Netzkongress im Volkstheater und zum Interview mit Pussy-Riot.
Die Dokumentaristen begleiten den Zündfunk bei Exkursionen ins Land hinaus, zum ehemaligen Quelle-Gelände in Nürnberg oder zu einem Hörer, der ein Musikkenner ist. Dass die Journalisten beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk finanziell in einem hochprivilegierten Umfeld agieren im Vergleich zu vielen ihrer freien Kollegen, das hätte vielleicht auch noch angemerkt werden können.
Nur weil Leute beim Zündfunk und damit beim Öffentlich-Rechtlichen sind sie A) nicht nicht frei und B) nicht unbedingt besser bezahlt also privilegiert.
A) „nicht nicht frei“, was meinen Sie damit?
B) dass für einen 5-Minuten-Beitrag darüber diskutiert wird, ob 150 oder 200 Euro, das empfinden manche als sehr privilegiert. Und Pensionskasse, ist da nicht auch was?
Der kleinste Teil der Mitarbeiter ist angestellt und „Pensionsempfänger“.
Es ging in der Honorar-Diskussion um ein Reportageformat mit drei oder mehr Interviewpartnern, das mindestens zwei Tage Arbeit bedeutet …
Wie viel Arbeit das ist, ging aus dem Bericht nicht hervor. Das wäre überhaupt eine spannende Info gewesen, was so eine Sendung Zündfunk kostet; es geht ja um öffentliche Gelder. Und wie das mit der Bezahlung der Mitarbeiter so differiert.