Das Ende der Geduld (TV, ARD, Mittwoch, 19. November 2014, 20.15 Uhr)

Dieser Fernsehfilm von Stefan Dähnert (Buch) und Christian Wagner (Regie) zeigt, dass ein Justizfilm auch in Deutschland spannend sein kann. Die Filmemacher haben pragmatisch gehandelt. Sie hatten das Buch der Jugendrichterin Kirsten Heisig zur Grundlage, das diese vor ihrem Selbstmord 2010 geschrieben hat und das zu einem stark diskutierten Titel geworden ist (wie der Film: „Das Ende der Geduld“).

Hier im Film heißt die Richterin Corinna Kleist. Sie wird fabelhaft mit Charme und ganz ohne Verbiesterung gespielt von Martina Gedeck, die allein mit ihrer Rolle den Film schon trägt. Sie ist eine moderne Heldin. Sie will der Verwahrlosung des Rechtes in Berliner Problemvierteln Einhalt gebieten, sie bekommt nach einer Krise oder einem Burnout wie ihr Chef meint, eine Stelle in Neukölln angeboten, weil sie unbedingt Jugendrichterin bleiben und etwas verändern will: beschleunigte Verfahren, damit die Jugendlichen den Zusammenhang zwischen Tat und Strafe auch spüren und kapieren.

Sie macht sich nicht beliebt in dem Viertel. Sie legt sich mit einem einflussreichen, libanesischen Clan an. Hauptfigur ist Rafiq, ein Junge, der just in der Nacht zu seinem 14. Geburtstag einen Drogerieeinbruch begeht, wobei das Einwerfen der Fensterscheibe vor Mitternacht noch unter die Strafunmündigkeit mit 13 fällt, aber das Ausrauben und Abschleppen des Diebesgutes nach Mitternacht mit jetzt 14 juristisch verfolgt werden kann.

Was die Richterin, die ihren Klienten schon länger kennt, auch als ein Exemplum durchzieht. Der entscheidende Fall, der zur Verhandlung kommt, ist die Vergewaltigung einer jungen Frau, Susanne, an der peripher auch Rafiq beteiligt war. Allerdings wird das vor Gericht verzwickt, die Drohungen der Mafia verändern die Wahrnehmung der Zeugen und auch des Opfers. Es kann für eine Richterin zum Verzweifeln werden.

Ein Film, der sicher im Sinne des öffentlichen Rundfunkauftrages ist, und nicht nur das, er ist sogar spannend; die ganze Vielfalt an Figuren, die er auffährt, die Polizeistation, die Behörden, der Gerichtsdiener (“Käffchen?“), die alle irgendwie aufgegeben haben, die aber durch motivierende Reden aufzuwecken sind. Demokratie braucht Wachheit. Und Mut. Der Film wird dadurch zum vehementen Votum für einen aktiven Rechtsstaat, für ein funktionierendes Rechtssystem. Ein kurzweiliger Fernsehfilm mit ernstem Thema und mit Hand und Fuß.

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