Woran glauben (TV, BR)

Die Freiheit der Religion, die Freiheit zu glauben, ist eines unserer wichtigen Grundrechte und insofern ein geeignetes Thema für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Vor dem Hintergrund der katholischen Kriche haben Eva Aichinger und Christiane Miethe eine Art Feldforschung des Glaubens betrieben (Redaktion Sabine Scharnagl und Bettina Hausler). Sie fragten sich, ob und wie die Menschen noch glauben angesichts der vielen Kirchenskandale, der Kirchenaustritte. Sie stellen fest, dass die Menschen aus den Kirchen rausdrängen, aber trotzdem ein Gefühl der Verbundenheit mit Gott behalten.

Für diese Feldforschung haben sie einen Blog eröffnet. Hier konnten die Menschen über ihr Verhältnis zum Glauben schreiben. Aus über 1000 Kommentaren haben Aichinger und Miethe einige Prototypen herauskristallisiert und berichten darüber, wie Menschen jenseits der katholischen Kirche einen Sinn im Leben finden, denn dass Religion Sinnstiftung ist, darüber besteht Einigkeit. Daher also die Frage, woran die Menschen heute noch glauben.

Julia, die früher Nonne war, die sich ständig künstlich mit Sauerstoff versorgen muss, findet im Klettern ihre Erfüllung. Christian stellt sich die Jenseitsfragen angesichts der Forschungen im CERN und will nicht ausschließen, dass irgendwo doch ein Schöpfer beteiligt sei. Franziska fährt auf ein Meditationsfestival, reagiert verhalten allergisch; sie schreibt Tagebuch und empfindet das als ihre Art, zu beten; sie nimmt sich gerade eine Auszeit vom Geldverdienen. Maria beschäftigt sich mit dem Tod, sie besucht ein Hospiz; sie findet in der Hilfe für Mitmenschen einen Sinn.

Alles eine Frage der Perspektive. So interpretiert auch die Kamera gelegentlich die Grundfrage dieses Glaubensmagazins des BR, indem sie sich fröhlich dreht und die Welt mal auf den Kopf und dann in Seitenlage und dann wieder auf die Füße stellt.

Fazit der beiden Dokumentaristinnen: das mit dem Glauben ist alles andere als out, aber in der Vielfalt ziemlich grenzenlos.

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