Eine augenzwinkernde Unterhaltung, die ihren Reiz aus der Widersprüchlichkeit des kulturellen Unterschiedes zwischen der New Yorker Mafia-Patenwelt und dem provinziellen, übergeregelten, norwegischen, gesichtslosen Kleinstädtchen Lillehammer bezieht, eine vergnügliche Illustration, die die bürgerliche Ordentlichkeit kitzelt, zum Thema .„Die Katze lässt das Mausen nicht“, respektive, wie leicht sind auch brave Norweger zu bestechen.
In New York wird ein Mafiaboss begraben. Am Grab gibt es die Diskussion zwischen Frank und Aldo. Der rechtmäßige Erbe wäre Frank, aber Aldo ist zum neuen Paten eingesetzt. Aus Rache packt Frank beim FBI aus und kommt unter ein Zeugenschutzprogramm. Die Stadt seiner Wahl heißt Lillehammer in Norwegen, weil es von dort so schöne Bilder von der Winterolympiade 1994 gegeben hat. Dort fängt Frank mit neuer Biographie versehen als Giovanni Henriksen ein neues Leben an. Aber wehe, wenn er mit der Polizei in Konflikt kommt, so werde er auf sich allein gestellt sein, das ist ihm vom FBI-Betreuer auf den Weg gegeben worden. Seine neue Nachbarin ist ausgerechnet die Polizeichefin, ein muntere, arglose, pausbäckige Figur. Das macht es noch prickelnder, wenn die alte Katze das Mausen nicht lassen kann.
Charmant wird der Zuschauer von einer Konfliktsituation zur nächsten geführt, wobei Konflikt hier lediglich den jeweiligen Zusammenprall der verschiedenen Denk- und Handelsweisen beschreibt. Kommt ja nicht in Frage, im Warteraum der Klink eine Nummer zu ziehen und Gewalt wird schnell mal angewandt und dem Sohn der Lehrerin, der in der Schule schlecht behandelt worden ist, gibt Giovanni den Ratschlag von den Steinen im Handschuh. Bald schon fehlen einem Klassenkameraden zwei Zähne.
Es ist auch ein Film zum Thema Bestechlichkeit im Allgemeinen und in einer soliden norwegischen Kleinstadt im Besonderen. Ein Mafioso kann offenbar auch in Norwegen die ganzen komplizierten Verfahren und Dienstwege spielend austricksen, einen Wolf jagen, eine Bar eröffnen, den Arbeits-Vermittler erpressen wegen verräterischer Fotos. Es ist ein Ausbreiten dieser kulturellen Unterschiede und ein bisschen suhlt sich die Serie auch darin. So wirkt der Satz von Giovanni schön doppeldeutig, wenn er sagt, er studiere hier die Kultur.
Alles dreht sich um die Hauptfigur Giovanni. Ihn spielt Steven van Zandt mit Ganovenknautschgesicht und rabenschwarzem, glatt nach hinten gekämmtem Haar, mit leicht wie aggressiv hervorstehender Unterlippe und Schmachtlippe zugleich und mit diesem ständig weltverächtlich gesetzten Gesichtsausdruck, mit leicht schräger Körperhaltung und teils fast kasperlhaften Bewegungen im raumgreifend, ausladenden Gang, der vor allem eines behauptet: ich habe hier das Sagen, ich habe die Freiheit, mich so zu bewegen wie ich will, sowieso komme ich prinzipiell zu spät zu jeder Versammlung und bekomme dadurch meinen Starauftritt, ich werfe vorwurfsvolle Blicke so viel ich will und verdrehe genauso genussvoll die Augen, wenn ich will und in meine Mimik hat mir erst recht keiner dreinzureden, das ist die Freiheit des großen Ganoven (und Schauspielers).
Die deutsche Synchro flutscht reibungsos.
Damit nun aber die Gefahr der Entdeckung bleibt, gibt es am Ort nicht nur die wonnepfropfige Polizisten-Nachbarin sondern auch einen Jungspund von Nachwuchspolizisten, der am liebsten als Elvis-Double auftritt, und der schon allein deswegen persönlich was gegen Giovanni hat, weil er in dessen Bar nicht auftreten darf. Dieser Polizist schafft köstliche Komplikationen mit oft doch falschen Verdächtigungen.
Weitere Player: ein Hebammerich, ein Investor und die Nachbarschaftsschutzgruppierung „die Nachtraben“.
Dass Norwegen so leicht zu nehmen wäre, das hätten wir nicht ohne weiteres gedacht.
Habe 2 Staffeln gesehen. Wunderbar.