Northmen – A Viking Saga

Hier geht es um den Vikinger-Film um des Vikinger-Filmes willen. Hier wollen Claudio Fäh (Regie) und Bastina Zack, Matthias Bauer (Drehbuch) zeigen, dass sie Vikinger-Film können. Die Beurteilung fällt gemischt aus.

Die logistische Arbeit für das fast pausenlose Hit and Run im Film, die zeugt von großer Sorgfalt. Darauf scheint viel Wert gelegt worden zu sein. Auch auf die Ausstattung. Vor allem in den ersten Bildern, nachdem die schiffbrüchigen, geächteten Wikinger gestrandet sind, erzählen sie mit ihren Gesichtsausdrücken und Kostümen und den wilden Haaren, dass es ihnen richtig Spaß macht, solch wilde Männer zu spielen. So wie es wohl Pfadfindern Spaß machen würde. Entschlossener Gesichtsausdruck, wilde Blicke, eigenwillige Haarpracht.

Wenn der erste deutliche Satz in einem Film so etwas wie einen Hinweis auf das geben soll, was er erzählen möchte, so geht es hier darum, dass Wikinger nicht in geschlossenen Häusern übernachten wollen, denn das ist zu gefährlich, da könnte ein Feind durch die Tür kommen. Und tatsächlich, wie unser bescheidenzahliges Trüppchen später bei einem christlichen Mönch in einem Turm Zuflucht findet, so werden sie dort erst vom Feind umzingelt und bald stürzt der Turm auch ein. Aber ob so eine Weisheit reicht, um einen Film zu füllen? Denn worauf hier weitgehend verzichtet worden ist, das ist ein Interesse an den Charakteren. Die sind austauschbar, die haben keine persönlichen Konflikte wie in der Wiking-Serie, die Amazon neulich präsentiert hat, wo fundamentale Drehbucharbeit geleistet worden ist. Kein Wunder, die wollen ja auch richig Geld verdienen damit.

Bei unserem vorliegenden Wikingerprodukt scheint es primär um das Abschöpfen von Suventionen gegangen zu sein und sicher auch darum, aufregende Drehtage in einer ansprechenden südafrikanischen Landschaft zu erleben, wo es bei den Besetzungen nicht auf Punktgenauigkeit der Rolle ankam, sondern wo vermutlich mehr Funktionärsbeziehungen eine Rolle gespielt haben dürften; allein die einzige Frau, die vorkommt ist irgendwie so nicht Fisch und nicht Fleisch und überzeugt nicht, wie soll sie auch, bei fehlendem Drehbuchfutter (sie soll verheiratet werden von ihrem Vater, dem König und wird in eine fensterlosen Kutsche eingesperrt von dessen Reitern über Land gezogen, bis unsere Wikinger sie kapern können).

Der dick gebrachte Satz „I am a warrior not a climber“ wie die Krieger als einzigen Ausweg eine Steilküste hochzukraxeln versuchen, der wird extrem ausgestellt, kann aber nichts zur Spannung beitragen, es sei denn, die Regie bestätige das durch die Art des Kletterns, was aber nicht passiert. Immerhin schön malerisch aber auch im Rahmen der Erwartungen. Ich fragte mich die ganze Zeit, was wollen uns die Filmemacher hier erzählen?

Immerhin bemühen sich die Darsteller, in tiefer, timbrierter Männerstimme zu sprechen.

Flugaufnahmen sollen Tempo und Zielgerichtetheit suggerieren, die der Film so nicht zu bieten hat. Ein schlichter, anspruchsloser Vikinger-Film, der vom Meer bis wieder zum Meer ein sich zusehends dezimierendes und eh schon kleines Trüppchen Geächteter durch einen Gefahrenkorridor führt. Die Kämpfe sind intensiv, aber kinematographisch wenig ergiebig. Den größten Drive verpasst dem Film noch die Musik.

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