Hin und weg

Rudelbumsen, Rudelradeln, Rudelsterben, das in etwa ist der Gehalt dieses staatlich hochgeförderten Filmes.

Wobei das Rudelsterben insofern differenziert werden muss, als einer aus dem Rudel sich die Todesspritze geben lässt und der Rest steht belämmert da und gibt Händchen oder steht auf dem Balkon.

Der Rudelbegriff, der im Film selber nur im Zusammenhang mit dem Rudelbumsen erwähnt wird, als einer der Aufgabenstellungen, die sich dieses Rudel Menschen aus verblühender Jugend und zweier namhafter Subventionsstars (die unverzichtbare Hannelore Elsner und der ebenso unverzichtbare Jürgen Vogel, die aber ihren Rollen auch nicht mehr als Rudelidentität abgewinnen können) gegenseitig für die letzte Radtour ihres sterbewilligen Rudelmitgliedes Hannes, Florian David Fitz, gestellt hat, nämlich den Besuch eines Swingerclubs, den der Film als Schlüssellochtratsch dem Zuschauer recht verklemmt darbietet. Ein Gewächs an Film, wie es nur und perverser nicht im hochsubventionierten Filmland gedeihen kann.

Zwei der treibenden Figuren des Filmes haben mit erfolgreichen Erstlingen auf sich aufmerksam und sich einen Namen gemacht. Der Regisseur Christian Zübert als Autor und Regisseur mit „Lammbock“ und der Protagonist Florian David Fitz mit Vincent will Meer und sind seither Namen am Subventionshimmel oder Höflinge am Hofstaat der Subvention. Tauschen ihre Kreativität und Eigenwilligkeit gegen den Komfort an diesem Hofe ein und werden belanglos, hier in diesem Falle sogar peinlich und jeder Menschenwürde, auch dem Todesgedanken mit emotionaler Sauce spottend.

Sicher ist es ehrenwert, so ein schwieriges Thema wie aktive Sterbehilfe zu behandeln. Aber dann sollte man das schon genau recherchieren. Auch die Philsophie, dass manche Menschen im Sterben gerne allein sind. Vor allem muss wie im vorliegenden Fall leider nicht geschehen, schon eine tiefere Begründung gegeben werden, dass dieser junge Mann, der noch total fit aussieht, der lediglich schneller erschöpft ist als die anderen, bereits in diesem Zustand, wo er noch mindestens ein Jahr lang leben könnte, freiwillig den Tod in Belgien sucht (der wehleidige Deutsche! Ab 25. Dezember werden uns die Engländer zu diesem ALS-Thema zeigen, was cineastisch eine Harke ist mit „Die Entdeckung der Unendlichkeit – The Theory of Everything“). Nur die Angst vor den Schmerzen, so wie er es bei seinem Vater erlebt haben will, die reicht nicht aus. Da müsste schon eine ganz besondere Ängstlichkeit und Hypochondrie in seinem Charakter angelegt sein (damit wäre womöglich die Basis für eine richtig rabenschwarze Komödie gelegt).

Leider aber sind in diesem Rudelfilm Charaktere vom Drehbuch her (Christian Zübert und Ariane Schröder) überhaupt nicht untersucht worden; die Autoren und der Regisseur (Christian Zübert) haben sich lediglich auf den vorgeblich professionell angebotenen Rudelcast verlassen, dessen Hauptaufgabe nebst den lächerlichen Gruppenaufgaben (einen Jesuiten zu ohrfeigen, Swingerclub, Schlammschlacht) augenscheinlich darin bestand, in der Todesszene und vorher bei der Abschiedsrede des Moriturus bedröppelt reinzuschauen. Was gerade bei den Stars bsonders peinlich und laienhaft wirkt.

Das Thema, mit dem der Film sich wichtig machen will, wird schlampig behandelt.

Thema Privatheit des Sterbens. Die mag von mir aus in einem Film gezeigt werden. Das muss aber aufgebaut werden. Sterben ist ein, so Sterbekundler, höchst intimer Moment. Wenn man den im Film zeigen will, so muss diese Figur vorher entsprechend intim und privat eingeführt werden, damit das schlüssig ist, damit dieses Sterben eine nachvollziehbar, emotional berührende Basis hat, die vielleicht so nur das Kino leisten kann. Das passiert hier nicht. Die kranke Hauptfigur wird nur als Rudelmensch vorgestellt und ist immer im Rudel. Dadurch wirkt dieser Film zu so einem anspruchsvollen Thema einfältig und dumm.

Am Hof der Subvention fanden folgende Subventionsfürsten diese Einfalt, ja Perversion im Umgang mit diesem Thema, als staatlich förderungswürdig, (weil sie eben nur auf die Namen schauen und Bücher nicht lesen können, weil sie mithin ihren Job nicht richtig erfüllen): HessenInvestFilm, Medienboard Berlin-Brandenburg, DFFF und die FFA.

Eine Sprachregie beim Rudel hat nicht stattgefunden, die sprechen alle immer viel zu laut. Dadurch werden die paar Sprüche, die eingebaut sind auch nicht besser.
Ich wollt schon immer mal einen Zeugen Jehovas verprügeln.
Ich hab ALS. Ist das nicht die Krankheit, an der dein Vater gestorben ist?
Bei dieser Krankheit gibt’s nur eine Richtung, immer tiefer in die Scheiße.
Einmal eine Frau sein. Wir hauen auf die Kacke. (Anlass für eine der üblichen Discoszenen in deutschen geförderten Filmen).
Die zahlen Sie aber extra.
Mag noch jemand Kaugummi?
Mein Papa ist vor drei Jahren gestorben (und der Fitz, der leidet uns hier einen vor und sieht dabei superfit aus).
Und ich will auch viel öfter mit meiner Frau schlafen.
Dann mach mehr, als mir nur zwischen die Titten zu greifen, „Mareike, es ist Zutzelfreitag“.
Dass ich alt geworden bin, merk ich, dass ich in der Disco den Ausweis nicht mehr zeigen muss.
Wir hatten eine gute Zeit.
Die Injektion ist fertig. Jetzt geht es ganz schnell (Bis dahin hats aber gedauert).

Der Film kann sich nicht entscheiden zwischen Realismus, Parodie oder schwarzer Komödie; er entscheidet sich fürs Rudel.

Man weiß nicht mal, wo sie starten zu ihrer Reise, plötzlich sind sie in einem Zelt oder in einem Flugzeug, nichts wird vorbereitet.

Was der Film überträgt, dass das Rudel offenbar Spaß beim Drehen hatte. Was ich von mir beim Zuschauen nicht behaupten kann. Der Zuschauer bleibt außen vor.

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