Am Sonntag bist Du tot

Eine raue Betrachtung der menschlichen Gesellschaft als durch und durch kaputt, sündig, durch das Auge eines Priesters, der ohne Skrupel einem selbstmordwilligen Autoren eine Pistole besorgen will.

John Michael McDonagh (The Guard) riskiert einen abgrundtiefen, symbolisch-synthetisch-thetischen Blick in die moralische Verkommenheit, in die Kaputtheitsstruktur unserer Gesellschaft. Dieses „gute“ Auge wird gespielt von Brendan Gleeson als Pfarrer James.

Um welch beispiellosen Abgründe es geht, zeigt ein Beichtgespräch, womit der Film anfängt und gleich seine Methode bekannt gibt, dass es hier vor allem um Gespräche geht, immer um Gut und Böse und wie die wirken. Der Pfarrer ist im Bild. Er hört nur zu, muss sich die schlimmsten Verfehlungen durch einen Priester an Jungs anhören von einem der Opfer, von fünf bis zehn Jahren immer blasen und dann wurde es schlimmer und geblutet hat er täglich. Dem Pfarrer wird leicht mulmig, besonders wie der Beichtling dem Pfarrer ankündet, dass er nächsten Sonntag tot sei. Erst wird der Hund dran glauben müssen.

Der Film wird ab hier in Wochentage aufgeteilt. Der Pfarrer durcheilt die Gemeinde. Korrektheit, Ordnung, bürgerliches Glück, das findet sich nicht, statt dessen Brutalität, Schläge an der Frau, einen Finanzhai trifft er, der Polizeichef erscheint mit seinem Stricher, dem Autoren, der sich umbringen möchte, will er ein Gewehr besorgen.

Es wird ein eigenartiger Kreuzweg werden, den der Pfarrer in dieser Woche durchmisst. Es wird um Selbstmord gehen (in dessen permanenter Nähe befindet sich seine rothaarige Tochter Fiona, ja richtig, er selbst war einmal verheiratet und ist dann erst nach dem Scheitern der Ehe zum Priester geworden). Es geht um Ehebruch, auch der permanent, dazu noch Rassimus mit einem Schwarzen, aber auch der Pfarrer kann wenig differenzieren, wer woher aus Afrika kommt. Schließlich Kannibalismus, wobei das Opfer eh schon vergewaltigt worden sei. Ferner vom Koks auf dem Klo bis zum Kirchenbrand.

Der Film kommt mir vor wie eine systematische, jesuitische Predigt; ein hochmoralisch-theologischer Film; der sich dem Publikum über das Mittel der schwarzen Komödie verständlich machen möchte. Der Film fordert geistige Konzentration, fordert geistiges Mitgehen – und bringt er einem etwas Neues, etwas Unbekanntes, außer dass die Welt schlecht ist und dies offenbar auch die Kirche nicht ändern kann?

Die Stadt ist auch nur eine symbolische Stadt, sie wird, außer am Schluss mit einer Aufnahme aus der entfernten Totalen, nicht näher definiert. Eine Beichtstuhlstadt. Der Blick ins Beichtgeheimnis einer Gesellschaft. Da kommt so viel zusammen wie bei einem Purge.

Ein Schauderblick auf eine verkommene, menschliche Gesellschaft mit einem schönen Countdown am Meer zum Thema Zynismus und Mobby Dick.

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