Ein lustiges Interieur- und Ausstattungs-Belebungs-Theater, was uns hier Ursula Gruber, Buch, und Wolfgang Groos, Regie, bieten.
Da bleiben die Augen hängen, wie die Räume ausgestattet sind, wie die Leute kostümiert sind. Wie der Nachbar Dirk van Kombast mit einer Art provisorischem Bauzaun, aber sehr hoch, die ganze normative Ästhetik der niedlichen Einfamilienhaussiedlung kaputt macht, denn es sind nicht nur dicke Holzlatten sondern auch noch mit Stacheldraht drum herum und zum Tür öffnen braucht es eine ganze Kaskade von Knöpfen, die gedrückt werden müssen, bis er endlich seine Geliebte, Krankenschwester Ursula, Diana Amft, ein Wonnepfopfen von rundlichem Glück, einlassen kann.

Ins Krankenhaus gerät er, und damit in Kontakt mit der Schwester, weil mit seinem Knobilator, einem Augenfang von Requisit, dem von ihm erfundenen Gerät zu Vertreibung der im Nachbarhaus vermuteten Vampire, ein Unglück passiert. Staubsauger sind immer auch Staubbläser, aber nicht nur das, der hier ist auch noch ein Knoblauchmixer und Hundeansauger dazu, arme Nachbarin. Die hat ja immer gesagt, er solle sich eine Frau zutun.

Darum geht es in einem Vampirfilm. Um die Liebe und auch um die erste Liebe. Unsere beiden Schwestern und Protagonistinnen, Silvania und Dakaria Tepes, sind im hübschesten, aufregendsten Alter und sie sind Halbvampire, können fliegen, vertragen das Tageslicht nicht, schlafen in Särgen und sind sowieso kunterbunt und grotesk eingerichtet.

Dakaria verliebt sich bei einem Vampirkonzert der weltbesten Vampirband Krypton Krax in den Leadsänger Murdo. Dieses Konzert ergibt eindrückliche Aufnahmen aus einer gespenstisch erhellten Kirche angefüllt mit viel Rhyhtmus und Stakkatobewegungen. Gegen die Liebe von Dakaria und Murdo stehen Hindernisse. Denn der Vater von Dakaria ist auf den Vater von Murdo gar nicht gut zu sprechen. Ihn spielt jener österreichische Schauspieler mit dem herrlich schmierigen Rollentypus, den er immer in deutschen Filmen spielt (Georg Friedrich hier als Xantor), der österreichische Strizzi im deutschen Dienst.

Der Vater Tepes der Vampirschwestern ist eine auffällige Besetzung mit so schmalem Gesicht, fast hohlwangig, markant, filmwirksam großen Augen, schmalem Mund. Und seine Frau, das ist Christiane Paul, die scheint es zu genießen, einmal in langem Rock, folkloristisch-modern-traditionell und mit langen, weichen Haaren eine für sie ungewohnte Feminität spielen zu dürfen. Sie ist Künstlerin und möchte ein Atelier mieten. Der Nachbar, auch ein Künstler, ist so angetan, dass er ihr rote Rosen schenkt. Das führt zu naheliegenden Missverständnissen mit Vater Tepes.

Nach einer misslungenen Entführung zwecks Vampirschwestern-Inititation durch den alten Sack Xantor geht der herrliche Vampirismus über in ein gemütliches Lagerfeuerleben, wo alle sich treffen und happy sind.

Lustige Bilder ergeben die Vampire auch, wenn sie wie Fledermäuse von der Decke hängen und meditieren. Und weiteres süß-symbolisches Detail: die beiden pfurzenden Blutegelschleimtiere Karl und Karlotta, die Dakaria und Murdo gehören, und die das Symbol ihrer Liebe oder Liebessehnsucht darstellen.

Stimmungsbilder versuchen die fehlende Story-Spannung zu ersetzen. Der Nachbar heißt Richard und ist English speaking. Inszenieren und Filmemachen heißt hier: Belebung der Ausstattung, das ist ja auch eine Art Magie. Zum Beispiel die sogenannte „Wildnis“, die sich als Streichelzoo entpuppt, der Brunnen als Wasserfall. Grotesk. Und, blaue Lagune, die zarte Liebesszene zwischen Jakob und Silvana am idyllischen Steg: sie gesteht ihm, dass sie Halbvampir sei und fliegen könne; er guckt entsetzt. Er habe Flugangst, meint er kleinlaut.

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