Männerhort

Die Begründung dafür, warum die Männer ihren Rückzugsraum genannt „Männerhort“ brauchen, die der Film physisch, also mit Szenen anführt, die ist nicht tragfähig. Hauptsächlich kommen die Männer nicht damit klar, dass ihre Püppchenfrauen ständig shoppen wollen. Die Folge der Shoppingwut im Internet ist für die Männer die, dass sie die Retour-Pakete bei der Post abliefern dürfen. Dort stehen sie in langen Schlangen, denn offenbar ist das das Schicksal aller Männer. Darum brauchen sie einen Rückzugsort. Nur beim Piloten gibt es, aber die wird viel später nachgeschoben, eine andere, halbtragische Begründung für die Suche nach einem Rückzugsort.

So hat es denn das Hauptmotiv des Filmes, der männerwirtschaftlich eingerichtete Heizungskeller mit TV-Leinwand, Kühlschrank, bequemen Sitzgelegenheiten, schwer, in Gang zu kommen als ein Ort von tieferer Auseinandersetzung der Männer, die mich als Zuschauer von dem Moment an interessieren, wie es plötzlich um Lebenslügen geht oder um Unfruchtbarkeit, kurz: um männliche Schwächen. Aber da ist schon mehr als eine Stunde Filmzeit vorbei.

Zu lange und zu substanzlos (kompensiert mit Billig-Geschlechterwitzchen) ist der Anlauf, den sich die Drehbuchautoren Rainer Ewerrien und David Ungureit im Sinne einer Kinoadaption des Theater-Erfolgsstückes von Kristof Magnusson ausgedacht haben.

Auch wie der Vierte im Bunde, der zum Facility-Manager aufgestiegene Hausmeister türkischer Provenienz, der den Keller sofort räumen lassen will, dann noch noch zur Runde stößt und plötzlich wie selbstverständlich dazu gehört, scheint nicht gründlich durchdacht von den Autoren, ist kein plausibel nachvollziehbarer Vorgang und erst recht nicht mit Unterhaltungswert.

Wie mir sowieso das, was die Männer als ihre Show aufführen und was dann Löcher kriegt, aus dem Augenmerk gerutscht zu sein scheint. Zum notdürftigen Auffangen dieser beachtlichen Drehbuchdefizite setzt die Regisseurin Franziska Meyer Price eine solide, TV-routinierte Regie ein.

Trotzdem ist noch eine Musik drüber gelegt worden, die dem Geschehen auf der Leinwand wie ständig zuruft, Mensch, bringt doch endlich Leben und Spannung in die Bude.

Die packendsten Szenen sind jene spät im Film, wenn die Männer länger in ihrem Keller sind und sich die Auseinandersetzungen anbahnen, wenn Ehrlichkeit aufkommt, dann bin ich als Zuschauer plötzlich interessiert. Da kann ich auch erahnen, warum das Theaterstück so erfolgreich war.

Sprüche in der Anfangsphase des Films, die nicht unbedingt geeignet sind, eine Spannung aufzubauen:
Lasst mich durch, meine Frau ist eine Ärztin – eine schwangere Ärztin.
Wer ist es denn, Pam, Spam, so ne Kacke (am Handy).
Welche Behinderung haben Sie denn? Tourette du Fotze – uralt, aber immer wieder schön (am Behindertenparkplatz).
Immer wenn Du denkst, du hast es geschafft, ist ein Schuhgeschäft in der Nähe.
Wir sind die drei Musketiere, wer sich mit uns anlegt, wird sein Waterloo erleben.

Später und schon ermattet von der Sprücherei: wir sind der Beginn einer wunderschönen Freundschaft.
Was ist das griechische Wort für Gebärmutter? Hysteria – und die ist hysterisch.
Anne, doch, ich erinnere mich, FickenaufdenerstenKlick.de.

Wobei die Frauen im Film vom Drehbuch her nicht weiter ernsthaft studiert worden sind, sondern primär auf bildhübsche Shoppingfetischistinnen reduziert. Deshalb wirkt der Film auf große Strecken ziemlich überkommen – und das mit plattem, deutschem Humor angereichert. Das odelt.

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