Achtzehn

Wie das so ist mit der Vermehrung, das Leben wird vielfältiger und komplizierter. Und wenn ein Film das Thema der Vermehrung hat, so wird auch das Objekt seiner Interesses mit dieser Vermehrung vielfältiger und komplizierter. Wenn das Material dann noch in TV-asthmatischer Kurzatmigkeit ineinandergeschnitten wird, vier Vermehrungsgechichten sind es, so kann das Anschauen im Kino etwas verwirrend werden. Vor allem, wenn das Objekt nicht mehr von sich aus einen dramaturgischen Höhepunkt wie die Geburt anstrebt. Das war im Vorgängerfilm dieser inzwischen auf eine Langzeitdokumentation angepeilten Arbeit von Cornelia Grünberg, die mit Andreas Grünberg auch das Buch geschrieben hat, der Fall.

Vierzehn hatte sich mit vier werdenden Müttern im Schulalter, nämlich vierzehn, beschäftigt und diese bis zur Geburt begleitet. Jetzt schaut die Dokumentaristin vier Jahre später wieder vorbei – oder sie hat auch zwischenzeitlich vorbeigschaut, der Zeitrahmen beginnt etwas zu verschwimmen.

Vages dramaturgisches Ziel ist das Anstreben des 18. Lebensjahres, der Volljährigkeit der immer noch unmündigen Mütter. Nicht selten liegen sie im Clinch mit ihren eigenen Müttern die offenbar automatisch die Vormundschaft über ihre Enkelkinder bis zur Volljährigkeit der Mütter innehaben, und die alle Besitzansprüche an den Kindern anmelden.

Lisa ist samt ihren Eltern nach Hawai umgesiedelt, hat inzwischen noch zwei Kinder geboren und lebt dort, so kommt es jedenfalls rüber, ein ausgefülltes Leben in einer Großfamilie.

Als zusätzliche Player gegenüber dem ersten Film treten im Umfeld dieser Mütter und ihrer Kinder weitere Kinder, neue Männer, Anwälte und Richter, und das Sorgerecht beanspruchende Erzeuger oder deren Mütter auf. Es wird jetzt auch mehr erzählt und geredet.

Dass dieser zweite Film der Langzeitdoku, Cornelia Grünberg beabsichtigt weitere Fortsetzungen ihrer Real-Life-Doku, vielleicht wegen dieser Verkomplizierungen fürs Kino nicht ideal ist, dürfte ihm nicht schaden. Die Produzenten zielen auf eine interaktive Cross-Media-Verwertung. Denn wer den ersten Film geschaut hat, hat diese Mütter und Kinder und Verwandten ins Herz geschlossen. Und dürfte sich für den Fortgang der Entwicklung interessieren. Dafür gibt es aber nicht nur das Kino oder das Fernsehen, es gibt auch eine eigene Website und im Film selber spielt die Internetseite auch mit.

Die große Qualität von Frau Grünberg, ihr Pfund mit dem sie wuchern kann, dürfte das Vertrauen sein, das sie zu diesen jungen Familien aufgebaut hat, das ihr unaufdringlichen Zugang zu den Verhältnissen gewährt und sie auch viel Spontanes mit treffsicheren Texten einfangen lässt, die direkt und ungeschminkt das Leben schreibt.

Die oft zwidrig wirkende Laura, die ihre Widersprüche nicht verdrängt, wird am Schluss eine glanzvolle Abiturfeier erleben samt Anerkennung ihrer Leistung, junge Mutter zu sein und gleichzeitig das Abitur geschafft zu haben und damit im Film für den dramaturgischen Höhepunkt sorgen.

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