Mehr Denkarbeit wurde hier auf die Konstruktion eines Falles denn auf die Herstellung einer spannenden Kinogeschichte verwendet.
Ruhrpott-Sozio-Melodram um den Abbau von Arbeitsplätzen und um eine Werksschließung und mittendrin Karin, eine aufstrebende junge Mitarbeiterin (Weiterbildung in Abendkursen), die die Arbeitsplätze ihrer Kolleginnen und Kollegen „sozialverträglich“ vernichten soll.
Stefan Hering, der die Regie nach einem Drehbuch von Beatrice Meier geführt hat, zeigt uns, dass das alles nicht so einfach ist und dass besonders das mit der Solidarität unter den Werktätigen nicht allzu haltbar scheint, wenn schöne Abfindungen oder Weiterbildungen locken, auch nicht innerhalb von Parallelbetrieben in verschiedenen Ländern der Firma „Perla“, die wunderschöne Waschmaschinen herstellt.
Der Film zeigt jedoch auch, dass die Firmen nur der Profitgier zuliebe auch nicht ganz tun und lassen können wie es ihnen beliebt und dass Subventionsbetrug eine Straftat ist.
Wobei die Frage nach der Traumhaftigkeit von Arbeitsplätzen am Förderband gar nicht gestellt wird, wenn man die paar Arbeiter, die der Film als Gruppe auffährt, arbeiten sieht, oder so tun als ob, so wirkt das eher vergnügt. Man kann Leute aber, die Arbeitsplätze innehaben, des öfteren gar nicht freundlich über diese reden hören. Das Thema wird hier ausgespart. Ein Arbeitsplatz ist a priori etwas Gutes in diesem Film. Und was jedem Einzelnen durch den Verlust des Arbeitsplatzes verloren gehen würde, das erfahren wir auch nicht. Wir müssen als Zuschauer damit einverstanden sein, dass Arbeitsplatzabbau etwas Schlechtes ist.
Neben der Arbeit sehen wir die Arbeiter vor allem noch Fußballspielen oder grillieren. Die Mädels üben als Majoretten. Das wirkt zeitweilig doch eher wie ein Bericht aus einer Urlaubsgegend. Wobei die Arbeitgeber- und Saniererseite nicht fehlt. Dass ausgerechnet Karin, die bisher ein gewöhnliche Sachbearbeiterin war, plötzlich so über ihre Kolleginnen hinauswächst und zur harten Saniererin werden soll, diese Figur hätte vielleicht doch etwas genauer unter die Lupe genommen zu werden verdient, um glaubwürdig zu sein, denn allein der Fakt, dass sie noch einen Abschluss nachgeholt hat, dürfte dafür nicht ausreichen.