Der 7bte Zwerg

Was Erwachsene über Kinderfilme schreiben und sagen, das zählt nicht und wieweit solche Filme geschmacks- und geistbildend sind, das mag woanders diskutiert werden. Fakt ist, dass Kinder manche Geschichten immer und immer wieder hören oder sehen wollen, zum Beispiel die Märchen der Gebrüder Grimm oder die Geschichte vom Räuber Hotzenplotz. Ob dieser Film dazu gehören wird, mag ich zu bezweifeln. Mein unmaßgeblicher Eindruck ist der, dass hier von den Autoren Bernd Eilert, Harald Siepermann, Sven Unterwaldt Jr., Daniel Welbat, Douglas Welbat und in der Regie von Boris Aljinovic und Harald Siepermann versucht wurde, mit enorm kompliziertem, deutschen Förderaufwand, die Hollywoodrezepte für erfolgreiche Kinderanimationsblockbuster zu kopieren. Die selbst wieder die Gebrüder Grimm nur zu gerne als preiswerten Wühltisch benutzen.

Was bedeutet, hier versuchen sich Deutsche daran, Märchen aus eigenen Landen per amerikanischer Methode filmisch nutzbar zu machen. Und sicher hat eine Rasselbande von sieben in der physischen Konstruktion ganz ungleichen Zwergen etwas Faszinierendes, wenn sie auf einem Gefährt durch die Gegend fliegen oder wenn sie in Einerkolonne marschieren und dabei noch einen Song singen, wie wir ihn aus amerikanischen Militärfilmen kennen („Hej Zwerge, go, go, go, go“). Aber wenn solche publikumswirksamen, sicheren Effekte mehr als 5 Minuten haltbar bleiben sollen, so wäre es nicht schlecht, wenn die Figuren auch charakterlich unterscheidbar wären und nicht einfach einer ein langweiliges Synchronhochdeutsch spricht, ein anderer ein gequältes Hessisch und der kleinste, der Bubi, ganz klar als Otto Waalkes in einem nicht allzu brillanten Sprecherauftritt erkennbar ist. Die Tonspur ist schwach, ist schlecht gearbeitet, bringt die Dezifizite des Charakteranalyse der Figuren voll zum Tragen.

Hinter den Amerikanern hinken die Deutschen sowieso hinterher im zeichnerischen Aufwand, in den Effekten, in der Geschmeidigkeit der Aneinanderreihung der Bilder. Vergleichen wir nur einen der neueren, Die Eiskönigin wie hier die Vereisung mit faszinierenden Effekten als Ereignis gezeichnet wird; im 7bten Zwerg wirkt die Vereisung lediglich wie anskizziert.

Die Grimmweiterentwicklung der Dornröschen-Geschichte und die Vermantschung mit der Siebenzwergengeschichte, die mag angehen, die könnte durchaus tragen. Dornröschen, die hier Rose heißt, steht kurz vor der Feier ihres 18. Geburtstages. Über den Roten Teppich marschieren ganz witzlos und ohne Inspiration Figuren aus anderen Märchen, vom Gestiefelten Kater über Schneewittchen und den Froschkönig. Rotkäppchen moderiert mit dem Wolf die Klatschreportage, auch die vollkommen ironierfrei.

Die Böse Fee heißt Dellamorta, gegenüber dem neuen Maleficent aus Hollywood ein Aschenputtel. Sie stellt die Uhren vor, denn Punkt Mitternacht ist Dornröschen vom Bösen Zauber befreit und wird sich frei fühlen, also angreifbar werden. Der böse Plan von Dellamorta funktioniert. Dazu trägt auch Bubi bei. Nur Jack, der Küchenjunge kann sie retten, kann sie und den Hof aus dem Eisschlaf, aus der Erstarrung erlösen. Dazu kommen noch die sieben Zwerge ins Spiel und ein guter Drachen, der kein Feuer speien kann.

Die Deutschen sollten nicht versuchen mit vergleichbar armseligen Mitteln (garantiert kein Budget von 180 Millioen wie bei Maleficent laut IMDb) den Amerikanern nachzueifern, sie sollten sich auf ihr eigenes Kino, was nicht in gigantischen Hollywoodmaßstäben denkt und handelt, besinnen; das kann wunderbar funktionieren, nehmen wir ein etwas älteres Zeichentrickprodukt wie „Die drei Räuber“. Sonst kommt es bleifüßig daher und der Musikverhau auf der Tonspur ist auch nicht hilfreich, die Songs sind simpler geht es nicht, so dumm sind unsere Kids doch nicht! Nichts Verführerisches, nicht Ohrwurmhaftes in den Songs.

Und dann noch vollkommen nutzloses 3D und die entsprechende Düsternis, also mit so gut wie keinem 3D-Bewusstsein gedreht. Außerdem: die Delamorte ist zu hexenhaft, wie Hänschen-und Gretchen gesprochen.
Einer für alle und alle auf einmal (Witz?).
Die diversen Slapstickeinlagen, die werden den Kleinen garantiert gefallen, dabei kann man ja nichts falsch machen.

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