Song from the Forest

Ein Dokumentarfilm, der mehr Fragen hinterlässt als er stellt oder beantwortet. Ein Film mit viel Ungesagtem, der tiefen Stimmen in unserer Zivilisation nachzuhorchen versucht, der das aufgeregte New York der rapide zerfallenden Urwald-Kultur des zentralafrikanischen Pygmäenstammes der Bayaka gegenüberstellt.

Das Bindeglied ist Louis Sarno, ein amerikanischer Musikologe, der im Rahmen seiner Forschung und Sammlerarbeit vor über 30 Jahren bei den Bayako hängen geblieben ist. Er hat über 1000 Stunden Gesänge und Instrumentalmusik aufgenommen und archiviert. Die Instrumente, zum Beispiel Flöte, spielt längst keiner mehr, da die Spieler inzwischen gestorben sind und die neue Generation kein Interesse mehr daran hat. Inzwischen haben Zivilisationsmüll, Radkappen beispielsweise, Einzug in ihr Musikleben gehalten.

Der Dokumentrist Michael Obert ist über Jim Jarmush mit Louis in Kontakt gekommen. Der ist bei den Bayaka integriert, hat mit einer Frau einen Sohn, Samedi (nicht Freitag, wie bei Robinson Crusoe). Und Jim Jarmusch hat auch eine Erklärung für diese Lebensentscheidung von Luis bereit. Denn sie beide, dicke Jugendfreunde, haben immer schon eine gewisse Entfremdung unserer Zivlisation, dem gängigen Rassismus gegenüber empfunden, haben sich als Außenseiter gesehen. Im Dschungel empfindet Louis noch Einklang mit der Natur.

Das Filmprojekt bestand nun darin, Louis auf einer Reise nach New York zu begleiten (seine Frau wollte er aus Angst vor der Berührung mit der amerikanischen Zivilisation nicht mitnehmen; sie würde die allerdings gerne kennenlernen), aber seinen Sohn schon. Der ist mit seinen 9 oder zehn oder elf Jahren noch nie aus dem Dschungeldorf herausgekommen. Jetzt wird er seine Großmutter väterlicherseits und seinen Onkel, den jüngeren Bruder des Vaters, kennenlernen.

Er wird nicht viel sagen auf der Reise, er wird vor allem mit offenen Augen und Sinnen wie ein trockener Schwamm die Eindrücke aufsaugen, kommt nicht los mit seinen Augen von den Straßen, den Autos, den hohen Häusern. Da legt der Filmemacher alte Musik seines Stammes darüber. Ein eigenartiger melancholischer Effekt, der eine sonderbare Gemeinsamkeit zwischen den beiden herstellt, dem Urwalddschungel und dem Großstadtdschungel.

Vom dem Wenigen was Samedi sagt, dass er ein Gewehr möchte, das kennen die inzwischen im Dschungel auch, dass die Treibjagad nichts mehr bringt, haben wir vorher gesehen, das führt zu einem Disput, weil der Vater immer wieder Ausreden hat, warum sie jetzt nicht in so einen Laden gehen können; ein anderer Disput geht darum, dass der Sohn nicht am Verspeisen von Hamburgern interessiert ist; da wird der Vater hartnäckig, er habe als er in den Dschungel kam auch die Gewohnheiten der Bayako angenommen. Drittens versteht der Sohn nicht, warum der Vater so viel Spielzeug für ihn und die anderen Kinder kauft, er solle doch lieber nützliche Sachen besorgen wie T-Shirts, Hemden, Hosen.

Bis die Reise los geht, sehen wir viel vom Leben im Dschungel oder wie Louis einfach in seiner Holzhütte hockt, sinniert, hantiert oder erzählt, wie er seinen Sohn auf die Reise nach New York mental vorbereitet. Wir sehen auch, wie Urwaldriesen abgeholzt werden. Wie sich die Lebensbedingungen der Pygmäen verschlechtern. Das Materielle ist durchaus ein Problem, denn ohne Waren kommen sie nicht mehr aus, sie brauchen Messer, Akkus fürs Internet oder Radio, Kleidung, Regendächer, Töpfe. Das Geld hat bis jetzt oft Louis mit kleinen Jobs als Touristenführer beschaffen können.

Dazwischen Schnitte nach New York. Es ist dieser Film keine abgeschlossene Geschichte. Als nächstes Projekt von Michael Obert steht bei IMDb bereits „Samedi“, da darf man gespannt sein. Denn der Vater hat dem Sohn erklärt, nur wenn er Lesen und Schreiben lerne, könne er sich eine Weiße zur Frau nehmen und diese auch ernähren. Das haben ihm schon Leute in Afrika empfohlen, studieren zu gehen.

Louis kritisiert die guten Absichten des WWF, der viel falsch mache.
Die Musik zwischen traditioneller Musik der Bayaka und Renaissancegesängen ist ein wesentlicher Bestandteil, eine wesentliche Anleitung zum Schauen dieses Filmes, von dem man nicht zu viel Erklärungen, keinen rationalen Faden erwarten sollte, nicht zu viel Rationalismus, der Film ist eher eine experimentelles Dokument.

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