Alles was ich schreibe, hat einen Präzedenzfall in der Wahrheit. Das ist die Wahrheit des Autors Ian Fleming über sein Schreiben. Und sozusagen die sekundäre Wahrheit der Autoren John Brownlow und Don Macpherson über dieses erfrischend bekömmliche TV-Biopic in vier Teilen über den James-Bond-Erfinder Ian Fleming.
Mit genüsslichem Elan lassen sich die Briten in ihrer fiktionalen Biographie über Fleming inspirieren von der von ihm geschaffenen Figur James Bond und dessen Filmen. Das zeigt gleich zu Beginn die Taucherszene. Eine Frau taucht unter Wasser. Zwischendrin Polypen und Tintenfische in rhythmisch-energischer Bewegung. Hinter der Frau her schwimmt ein mit einer Harpune bewaffneter Mann. Mann hinter Frau her. Die Auflösung folgt auf dem Fuße und trifft den James-Bond-Humor ins Herz.
Schon die erste Folge dieser Biograpahie ist so süffig erzählt und kommt einem dank der James-Bond-Filme so vertraut vor, dass man sich die weiteren Folgen als Zückerchen für das Ende eines langen Arbeitstages aufhebt.
Ian Fleming war das Autorentum nicht in die Wiege gelegt. Von zwei Söhnen aus reichem Hause war er der untaugliche, der Looser, der Gigolo, der Querdenker, der Spieler, der Frauenheld, der über seine Verhältnisse lebte; das krasse Gegenteil zum braven, vorbidlichen älteren Bruder und im Dauerclinch mit einer dominanten Mutter.
Seine kreative Querdenkerei erwies sich im Zweiten Welt-Krieg in der britischen Armee als außerordentlich fruchtbar. Er ist in der Spionageabteilung gelandet. Die waren dringend auf solche Köpfe angewiesen, denn die Deutschen waren immer über ihre Pläne informiert. Das erforderte unkonventionelle Gegenmaßnahmen. Darüber berichten vor allem Teil 2, 3 und 4 dieser kleinen Serie, bei der Mat Whitecross Regie geführt hat und die vom ZDF mit einer soliden deutschen Synchronpaste akustisch verfugt wurde.
Wie die James-Bond-Filme spielen viele Szenen in noblen britischen Büros und Palästen. Da tritt der Agent Seiner Majestät in feinem Anzug oder in Festtagsuniform auf. Seine engste Mitarbeiterin Monday wird hier so gezeigt, dass sie ein ideales Vorbild für die Moneypenny-Figur in den Bond-Filmen abgeben könnte, ein Schelm wer sich mehr denkt dabei. So vertraut und so gemocht.
Somit bietet dieser Vierteiler dem Zuschauer in einer höchst vertrauten Filmsprache als unterhaltsamer Sekundärverwertung von des Autors eigenem Werk Informatives über sein aufregendes, abenteuerliches Leben. Auch hier ist unser Held, also der Autor, immer hin und hergerissen zwischen Beruf und den Frauen (und auch der Mutter), von denen er nie eine heiraten könnte („Ich bin nicht geschaffen fürs Eheleben“). Sein Leben ist ein ständiger, riskanter Hochseilakt zwischen den verschieden Polen elegantes Leben, Fantasie, Abenteuer, Krieg und Frauen („niemand wird aus ihm schlau“). Wobei im Gegensatz zu James Bond die Auseinandersetzungen mit den Frauen nicht nur von Charme, sondern auch von Härte mit Schlägen ins Gesicht und grünen und blauen Flecken geprägt sind.
Der Grund für sein Engagement beim Geheimdienst waren seine Deutschkenntnisse; dass er dort schnell unverzichtbar wurde, das lag an seiner überquellenden und raschen Fantasie, wie er in kürzester Zeit eine Mappe mit 51 Ideen, wie die Deutschen getäuscht werden könnten, seinem Boss präsentiert. Der freie Geist gegen die erstarrte Geheimdienstbürokratie („Sie bringen Leben in die Bude“, „Sie hatten den richtigen Instinkt“).
Dominic Cooper als Ian Fleming geformt nach Flemings eigener Figur James Bond. Cooper hat das Gentlemanhafte, bewegt sich perfekt in den gepflegten britischen Innenräumen, hat eine ungezwungene Blasiertheit und man könnte ihn sich gut als einen neuen James Bond vorstellen; so ist er zumindest inszeniert. Und gut aussehend dazu.
Wie im richtigen James Bond Film spielen die Folgen dieser kleinen, gekonnt gemachten britischen Serie überall auf der Welt, in Jamaica, Kitzbühl, London, Lissabon, Paris, Kanada und auch in Tambach in Deutschland.