Der ruckelige Nachfolger des noch ruckeligeren Vorgängerfilms Rubinrot, Romanverfilmung nach Kerstin Gier nach einem Drehbuch von Katharina Schöde, die mit Felix Fuchssteiner auch für die Regie zeichnet.
Gwendolyn und Gideon müssen sich wieder auf Zeitreise begeben zurück ins Mittelalter, in die höfische Zeit oder ins 20. Jahrhundert. Spannungsmomente soll die Suche nach dem Chronographen bieten und die Bemühung, den Blutklau zu vermeiden, damit dieses nicht in den genetischen Kreislauf eingespeist werden kann. Diese Sollen-Wohl-Spannungs-Momente werden zwar erwähnt, aber nicht dramaturgisch spannungserzeugend eingesetzt.
Wie denn auch? Bei dieser willkürlichen Hopserei, mal passiert es ganz einfach, mal hochkompliziert zurück nach 1609, nach 1912, 1783, 1953, 1950 und das in der vom Fernsehen verlangten Kurzatmigkeit der Szenen, die noch dazu mit einem x-beliebig-Cast unorganisch inszeniert und abgerundet sind, nämlich vor allem abrupt.
Den Roman scheint jedenfalls das Grundthema zu tragen: eine junge Frau im Auf und Ab widerstreitender Gefühle, noch dazu charakterisiert als eine, die kein Fettnäpfchen auslässt (was in der Performance allerdings so auch nicht sichtbar wird, bis vielleicht auf den Ausreißer beim höfischen Ball), die sich in einer Welt der Lügen sieht, die glaubt, gar nicht das Kind ihrer Eltern zu sein, das Thema Vertrauen, gerade hinsichtlich der Liebe, das taucht immer wieder auf, das immerhin dürfte jeden Zuschauer ab und an treffen, besonders die Jüngeren.
Es kommt jetzt auch eine animierte Figur hinzu, ein Wasserspeier, witzlos animiert, was allein da an Chancen vertan wurde, denn Rufus Beck spricht ihn doch ganz ansprechend, kindertheatersouverän. Andere erwachsene Schauspieler haben weniger dankbare Auftritte, weshalb vielleicht Veronika Ferres, ihre Gesichtszüge habe ich ganz anders proportioniert in Erinnerung, gerne auch mit Lockenpracht von hinten gezeigt wird oder Katharina Thalbach, die offenbar nur noch Gespenster im Kindertheater spielen kann.
Es ist die alte Krux in Deutschland, die fehlende Drehbuchkultur, weshalb auch hier wieder so viel Fördergeld verschossen wurde, ein geradezu peinliches Drehbuch, (die Förderer haben, so scheint es, wenn überhaupt den Roman gelesen und seine Verkaufszahlen ins Kalkül einbezogen und das Drehbuch gar nicht erst angerührt).
Die Förderer und Treuhänder von hier versenkten Steuergeldern sind:
Film- und Medienstiftung NRW, Geschäftsführerin Petra Müller, Vorsitzende des Aufsichtsrates Dr. Frauke Gerlach
Filmförderanstalt FFF, Vorstand Peter Dinges
Deutscher Filmförderfonds DFFF, Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters
FilmFernsehFonds Bayern FFF, Geschäftsführer Prof. Dr. Klaus Schäfer
Mitteldeutsche Medienförderung, Geschäftsführer Manfred Schmidt
Damit im Zusammenhang dürfte die wenig schauspielerische Souveränität der Darsteller stehen; wie wollen sie sich in einem Filmland entwickeln, wenn sie so gut wie nie an richtig gute Drehbücher mit konsequent durchdachten und konzipierten Charakteren kommen. Entsprechend steif wirken die Liebesszenen. Es fehlt hier jede Anstrengung, das Thema des Filmes richtig in das Drehbuch einzuarbeiten. Es wird zwar erinnerungshalber immer wieder erwähnt zwischen diversen Kicherwitzchen für unreife Mädels, aber es ist nicht in die Bildfolgen eingewirkt, so wie der berühmte rote Faden, es fehlt das Essentielle von Drehbucharbeit.
Alles mit Feelgoodvolumenmusik einzupacken hilft vielleicht den Verstand des Zuschauers zuzudröhnen, zu einer Verbesserung des Ergebnises kann sie nicht beitragen.
Können wir eine Pause machen, ich fühle mich schon ganz Durchlaucht.
Am treffendsten beschreibt diese Art von Kino vielleicht ein Satz aus dem Film selber: anmütig wie eine Windmühle.
Du musst ihn zappeln lassen, das ist total wichtig, männerpsychologisch.
Leider lässt dieser Film seine Zuschauer nicht eine Sekunde zappeln.
Irgendwann spielt plötzlich ein Code eine Rolle.
Immer wieder kommt im Dialog vor, wie gefährlich doch dies und das sei: nur empirisch ist es nicht eine Sekunde nachvollziehbar.
Ich könnte mir vorstellen, dass die Romane von Kerstin Gier, wenn sie denn in gute Hände geraten würden, das Zeugs für richtig erfolgreiche, weit über Deutschland hinaus wirksame Filme hätten. Dem wird hier konsequent vorgebeugt.