Night Moves

„Night Moves“ heißt das Boot, das unsere drei Protagonisten kaufen, um an den Staudamm zu gelangen, den sie sprengen wollen als Aufwecksignal für den Umweltschutz.
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Der Titelbegriff „nächtliche Bewegungen“, ich hoffe, die Übersetzung trifft zu, wird in zweifacher Hinsicht illustriert. Im ersten Teil des knapp zweistündigen Filmes von Kelly Reichardt, die mit Jon Raymond auch das Buch geschrieben hat, wird ein Ökokrimi geschildert. Vorbereitung und Akt der Sprengung eines Staudammes durch die drei Protagonisten Josh (Jesse Eisenberg), Dena (Dakota Fanning) und Harmon (Peter Sarsgaard). Sie alle leben in ökologisch orientierten Kooperativen. Sie alle sind engagiert für die Umwelt. Sie machen sich Sorgen um die Zukunft des Planeten. Sie fühlen sich ohnmächtig der industriellen, umweltzerstörerischen Politik gegenüber. Sie planen einen Staudamm zu sprengen.

Die Regisseurin schildert in der ersten Hälfte ihres Filmes minutiös und in klarer, spannender Filmschrift, wie die Drei ein Boot kaufen, sich eine große Menge Ammnoniumnitrat-Dünger beschaffen, wie sie das Boot präparieren, sich mit gefälschten Ausweisen eindecken, wie sie an den Lake Woods fahren, möglichst unauffällig, wie sie über den See fahren und das Boot an der Mauer festmachen, wie sie die Zeituhr einstellen, wie spannungserhöhend ein Autofahrer in Sicht- und Hörweite eine Panne hat, die er lauthals über Mobiltelefon seiner Freundin schildert, wie die Drei es trotzdem noch schaffen, mit dem Ruderboot wieder ans Ufer zurück und dann nach raschem Lauf zu den vorbereiteten Fluchtwagen zu gelangen.

Spektakulär hier ist nicht die Explosion, die hört man nur kurz und dumpf im Hintergrund. Spektakulär ist hier gar nichts. Aber faszinierend die ernsten Gesichter der drei, ihre Konzentration, der Gedanke des Misstrauens, der kurz vorbeihuscht, ob man Harmon trauen kann, bei dem Widersprüche in seiner Biographie offenbar werden.

Der zweite Teil des Filmes schildert eine andere Bedeutung des Begriffs „nächtliche Bewegung“. Denn bei der Sprengung ist ein wilder Camper unterhalb des Staudammes ums Leben gekommen. Es sind jetzt die Gewissensbisse, die Schuldgefühle, die unsere drei umtreiben, die sie nicht schlafen lassen. Wobei die beiden Männer offenbar weniger große Probleme mit dem Verdrängen haben als Dena.

Bei Josh ist das schon in einer frühen Szene offenbar geworden. Wie er bei der nächtlichen Fahrt mit Dena ein totes Reh am Straßenrand sieht, anhält, es begutachtet und feststellt, dass das Tier trächtig war und noch ein lebendes Kitz drin sein muss. Er kippt das Tier nach kurzer Überlegung über die Böschung runter. In Dena aber werden die Geister des Toten auftauchen, sie liest in den Medien und im Internet alles mit, was sie über den Anschlag und den Toten findet, auch die Website mit Kondolationen.

Dieser zweite Teil des Filmes beurteilt nicht die Tat im ersten. Er interessiert sich nur dafür, wie die Drei mit den Schuldgefühlen umgehen. Denn wenn ihr Anschlag auffliegt, drohen ihnen, meint Harmon, mindestens lebenslänglich plus 300 Jahre Knast. Eine Aussicht, die beunruhigen kann. Dena kann nicht alles für sich behalten. Sie hat Probleme mit den Nerven. Sie erzeugt Gerüchte. Josh muss nun das Weite suchen. Er muss untertauchen. Damit, dass er zumindest handyformal seine Verbindung zur Vergangenheit kappt, indem er sein Handy in ein anderes Auto steckt und sich einen Job sucht, entlässt Kelly Reichardt ihr Publikum aus dem Saal, zwar beeindruckt von einer schönen Kinoarbeit, von einer schönen Kinoerzählweise, schöner Schilderung des herbstlichen Oregon inklusive der von ökologischen Kommunen, von der prima Arbeit an den Charakteren, aber auch etwas ratlos, was sie uns denn damit erzählen wollte. Umweltschutz gut, aber Anschläge dafür ungut (oder man hätte dann, wenn man etwas erreichen wollte, mindestens 100 Dämme sprengen müssen).

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