Eine wunderschön gepflegt und stilvoll erzählte Geschichte nach einer wahren Begebenheit im England des 17. Jahrhunderts über einen evolutionären, wichtigen Schritt zur Abschaffung der Sklaverei im Rahmen der gültigen Gesetze.
Vielleicht auch zu sehen als Würdigung einer weisen Figur, Lord Mansfield, dem obersten Richter Englands, eines Adeligen von hohem Ansehen und mit Gütern gesegnet, der sich genau an die Regeln hält und mittels dieser Regeln Veränderungen bewirkt.
Er ist allerdings auch persönlich betroffen. Sein Sohn hatte eine Tochter mit einer Sklavin, einer Mulattin, Dido Elizabeth Belle. Er liebte deren Mutter, stand zu seiner Tochter und veranlasste, dass sie eine standesgemäße Erziehung mit ihrer Cousine auf Schloss Kenwood-House erhielt. Ihr Vater selbst verreist zu einer langen Reise und kehrte nicht mehr zurück.
Sklaverei war noch ein legitimes Geschäft. Der Film von Amma Asante nach einem Drehbuch von Misan Sagay fängt damit an, dass der Vater von Belle diese aus einem Armenviertel abholt und in den Palast bringt in die Obhut von Tante Mary. Hier wächst sie mit ihrer weißen Cousine Elizabeth auf, die einem Seitensprung des Bruders ihres Vaters entsprang.
Nach einem schönen Ringelreihenschnitt werden die beiden Mädchen zu jungen Damen. Die zwei Cousinen unter Vormundschaft. Sie sind ein Herz und eine Seele. Sie wachsen unter dem wachsamen Auge ihres Großvaters auf, dem Richter, der sich strikt an die Regeln hält. Wobei die Regeln sagen, dass Belle an manchen Anlässen und Essen teilnehmen darf, an manchen nicht.
Es kommt die Phase der von der Familie inszenierten, gezielten Begegnungen mit heiratsfähigen, jungen Männern aus anderen adeligen Familien, standesgemäß soll es zugehen. Belle wird Erbin eines beträchtlichen Vermögens, wie ihr leiblicher Vater stirbt, während Elizabeth selbst kein Erbe zu erwarten hat. Belle könnte also selbständig sein.
Verliebt ist Belle in einen jungen Mann, den ihr Großvater als Student aufnimmt, etwas, das er sonst nie gemacht hat. Auch hier das weise, steuernde Auge dieses korrekten Mannes.
Politpower kommt in die Geschichte durch einen prominenten Streitfall, der an das oberste Gericht weitergeleitetet worden ist. Das Sklavenschiff De Zong verlangt von der Versicherung Schadenersatz für eine Ladung Sklaven, die ins Meer geworfen worden sind, weil es nicht mehr genügend Wasser an Bord gegeben habe. Dem Fall kommt große Brisanz zu im Zusammenhang mit Bestrebungen zur umstrittenen Abschaffung der Sklaverei. Händler und Drahtzieher unken von katastrophalen Folgen, falls das Gericht gegen die Sklavenhändler entscheiden würde (solche Unkereien kommen einem bekannt vor, man denke an das Thema Mindestlohn).
Der Film spinnt den Faden der Entwicklung zu dieser brisanten Rechtsentscheidung auf hohem Niveau und in einer passablen deutschen Nachsynchronisation, ebenso die Entwicklung der Liebesfindung trotz oder gegen die Regeln.
Der Film hält sich selbst an den Ratschlag, den der weise Richter dem jungen Rechtsaspiranten gibt, der nicht der richtigen Gesellschaftsschicht angehört: er möge sich nicht aufreiben. Der Film bleibt ruhig, er lässt sich von all den Emotionen, die seine Sujets wachrufen können, in keiner Weise aufreiben: Sklaventhema, Liebesthema.