Gott verhüte!

Ein Film über eine Rivalität unter Pfarrern und ein Tumorfilm dazu, in diesem Genre sicher von der leichteren Sorte. Wobei die Verhütthematik auf dem katholischen Balkan deutlich höhere Aktualität haben dürfte als bei uns (Produktionsland Kroatien/Serbien).

Vinko Bresan, der mit Mate Matisic auch das Buch geschrieben hat, scheint mir ein Regisseur zu sein, der das, was er erzählen will, ganz genau im Kopf hat und der ganz genau weiß, wie er es am ökonomischsten und auch am klarsten auf die Leinwand bringt unter Vermeidung unnötiger Unruhe, die Unklarheiten schaffen könnte. Von cineastischer Warte aus also auf jeden Fall ein prima genießbarer Film; die Typen kommen durch die klare Führung vernehmlich und leinwandgenießbar rüber, die Handlung auch und ebenso der Drehort, eine kleine, dalmatinische Insel kommt so schön zur Geltung, dass man am liebsten gleich hinfahren würde.

So weit mag der Film den Kinobegeisterten anziehen, der etwas über das aktuelle Filmschaffen in Serbien und Kroatien erfahren will. Und er erfährt einmal mehr, dass es da Talente gibt, die einen überzeugenden Umgang mit dem Metier haben. Dann kommt allerdings die Geschichte. Die dürfte für unsereins doch etwas weit hergeholt sein. Die Insel leidet unter Bevölkerungsschwund obwohl die Katholische Kirche Kondome verbietet. Die finden jedoch reißenden Absatz. Der Pfarrer ist dank Beichtstuhl und Beichtgeheimnis über die Intimitäten informiert. Der Kioskverkäufer, der die verschiedensten Kondome schnell und diskret über seinen Ladentisch schiebt, noch besser.

So sinnen denn Pfarrer und Kondomverkäufer auf ein Mittel, die Insel wieder zu bevölkern, indem sie kleine, kaum wahrnehmbare Löcher in die Kondome bohren. Das wird in aller Deutlichkeit und in mehreren Varianten gezeigt, bis der Pfarrer auf die Idee mit der Nähmaschine kommt. Auch wie er nachts und unter seiner Soutane versteckt gelöcherte Packungen beim Kioskbesitzer abliefert, ist zu sehen.

Für solche Details lässt sich der Film ausgiebig Zeit. Wenn dann noch die deutsche Synchronisation dazu kommt in ihrer Monotonie, dann mag sich das gelegentlich etwas ziehen, denn viel Neues oder Dramatisches gibt’s nicht zu berichten.

Bresan will zeigen, wie verlogen die Moral der Katholischen Kirche ist. Und vermutlich hat die katholische Kirche in Serbien und Kroatien deutlich mehr Gewicht als bei uns. Allerdings spielt in den Balkanfilmen immer auch die neuere Vergangenheit hinein, Waffen spielen überall mit. Ein Film, vielleicht mehr breit ausgesungene, leicht schalkhafte Ballade, denn dichter Thriller. Leicht und einfach wie ein Kinderbuch schön gemacht.

Auch die Exposition des Filmes, die erklären will, warum Don Fabijan, der junge Pfarrer auf der Insel überhaupt erst auf diese Kondom-Löcher-Idee kommt, die erzählt ausführlich und schön von seinem alten Vorgängerpfarrer, wie er bei den Leuten beliebt ist und dass Fabijan sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen muss, wenn er punkten möchte auf der Insel und nicht nur dort, sondern auch beim Kardinal, der auf einem Mafiaschiff angelandet kommt.

In Kroatien soll der Film ein Boxoffice-Hit sein. Allein schon aus diesem Grund, aus Interesse für den Balkan, sollte man sich diesen Film zu Gemüte führen. Als neugieriger Europäer, der ein wenig über seinen Tellerrand hinausschaut.

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