Viel Lärm um Nichts

Nach dem Dreh von „Marvel’s The Avengers“ hatte Regisseur Joss Whedon einige Tage frei bis zur Postproduktion. Da lud er Schauspieler-Freunde, mit denen er regelmäßig Shakespeare-Lesungen veranstaltet, in sein und seiner Frau großzügiges Haus ein und statt einer Lesung wurde ein Shakespeare-Film daraus. Das erinnert, was Team-Geist und Hingabe an die Kunst betrifft, an Ingmar Bergman, der in den Theaterferien mit seinen Schauspielern auf einer schwedischen Insel Filme drehte, die für Aufsehen sorgten.

Für Aufsehen wird dieser Film wohl kaum sorgen. Eher wird er ein filmkulinarischer Kulturgenuss. Hier hielten sich die Filmemacher streng an den Shakespeare-Text, ein Brillanz-Ausweis, wie sie ihn selbstveständlich prononcieren, ein Brillanz-Ausweis des Regisseurs, wie er die Szenerie ins Heute verlegt und die Szenen auflöst und montiert. Wie die Figuren durch die Konzentration auf die Texte deutlich hervortreten. Wie Whedon filmisch denkt und zeigt, dass er mit diesen Mitteln selbst einem Theater-Stück aufregende Präsenz auf der Leinwand verleihen kann.

Whedon hat den Film in Schwarz-Weiß gedreht. Die menschlichen Ränkespiele um die Liebe, jene, die daran glauben, und jene, die nicht daran glauben. Das äußere Setting: der siegreiche Feldherr Don Pedro und Entourage fahren in schwarzen Bankerlimousinen vor. Seine Begleiter sind die ausersehenen Liebesmänner. Claudio für Hero, dezidiert und direkt und Benedikt für Beatrice, die nur durch verwinkelte shakespearsche Intrigen auf ihre Liebe aufmerksam gemacht werden.

Leiochtfüßig unterhaltsam wie Alexis Denisof als Benedikt mit dem kleinen Busch vor dem Gesicht die Intriganten bespitzelt und nicht merkt, wie deren Falle damit bereits zugeschnappt ist, herrlich wie Amy Acker als Beatrice unterm Küchentisch versteckt den Intrigantinnen lauscht, und nicht bemerkt, dass sie gerade gezielt manipuliert wird. Krumme Wege zu einer schönen Liebe, und wo sie sozusagen auf den ersten Blick funktioniert, bei Claudio, Fran Kranz und Hero, Jillian Morgese, da versuchen böse Intriganten die schnell angesetzte Hochzeit zu hintertreiben, vorerst mit Erfolg. Bis sich die Dinge in Minne auflösen, lets dance.

Man sollte den Film in der Originalsprache hören, man kann sich schnell einhören, leichter noch, falls man das Stück vorher nachgelesen hat. Dann wird der Film zum wahren Gourmet-Stück für den Kino- und Kinokönner-Genießer.

Was mich beeindruckt: dass für alle Beteiligten Shakespeare die oberste Instanz ist und keiner auch nur irgendwie versucht, hervorzustechen mit eigenen „Einfällen“ auf Kosten anderer, grandiose Teamarbeit eben, die Begeisterung fürs Kino und für Shakespeare wecken kann.

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