Transformers – Ära des Untergangs

Ein Franchise-Produkt in 3D und Überlänge, das wird sich beim Eintrittspreis bemerkbar machen. Kino ist Geschäft; hier geht es um Big-Budget. Doch fürs Geld muss auch was geboten werden. Müssen wilde Bildfolgen und Sujets erfunden und entwickelt werden, die den Zuschauer bei der Stange halten und ihm ungewöhnliche Erlebnisse mit Rückendeckung seines Alltages verschaffen. Das wissen die Produzenten, das weiß der Drehbuchautor Ehren Kruger, der sich auf minimste, einfachste Dialoge beschränkt und das weiß auch Regisseur Michael Bay.

Besonders anfangs fasziniert der schnelle und wilde Wechsel von Sujets, auch von extraordinären Kamerapositionen oder Reihenfolge der Bilder, erst schwebt eine Libelle über einem idyllischen See und im nächsten Moment taucht eine Transformer-Figur auf, ein Ungetüm wie aus einem mittelalterlichen Ritterpanzer, aber raffinierter gestaltet und die Figur scheint wenn nicht von kreatürlicher möglicherweise von künstlicher Intelligenz zu sein; der Filmemacher hat sie durch die Bildreihenfolge in eine Assoziationskette mit einer Libelle gesetzt. Wobei das Motiv später in Form von Minikameradrohnen nochmal virulent wird. Im Klein-Zierlichen steckt das Groß-Gewaltige, im Groß-Gewaltigen steckt das Kleinzierliche; soviel zu einem der möglichen Faszinosa durch so einen Film.

Eine der Hauptauseinandersetzungen im Film ist die zwischen den von Menschen geschaffenen, künstlichen Transformern und den Invasoren-Tansformern aus dem Weltall. Die Wissenschaft behauptet, das Gen entschlüsselt zu haben, nur geht ihr der Grundstoffe für die Produktion, das Transformium, allmählich aus; zu dessen Gewinnung bedarf es „echter“ Transformer.

Den Konflikt zum Laufen bringt Protagonist Mark Wahlberg als Robotertüftler Cade Yaeger, der in der Wüste von Texas und immer am Rande der Pleite aus einem Kinonachlass einen alten, lottrigen LKW kauft, bezahlen tut sein Partner.

Der LKW zeigt uns als erstes, was eine Transformation ist, denn kaum hat Yaeger ihn repariert, verwandelt er sich in eben jenen von Wissenschaft und Regierung gesuchten, berühmten, „echten“ Optimus Prime. Dass Yaeger ihn gerettet hat, wird dieser ihm nicht vergessen. Andererseits gerät Yaeger durch diese unfreiwillige Rettung in den beunruhigenden, gefährlichen Fokus menschlicher Machtpolitik und deren Instrument, den künstlichen Transformern. Yaegers Motiv in nächster Zeit wird sein, seine Familie davor zu retten, vor allem seine Tochter, die doch erst 17 ist und plötzlich einen 20jährigen Freund auffährt. Der wird bei den folgenden Verfolgungen ganz nützlich sein; andererseits regt sich Papa Yaeger herrlich auf darüber, dass sein Töchterchen zur jungen Frau geworden ist, die schon einen Freund hat.

Die Transformation ist mehr als ein Running Gag in diesem Film, zu welchen Autos und dann wiederum Transformern die sich verwandeln, Rennautos aller Couleur, alller Designs. In der Wüste stößt Prime auf eine Rotte von früheren Kumpels. Die erinnern in ihren folkloristisch anmutenden Transformer-Designs an traditionelle Faschings-Kostüme oder auch an Seeräuber, Freibeuter und die Transformationen selbst geben immer Anlass zu den surrealsten Bildveränderungen. Zauberhaft.

Zauberhaft auch sind ganze Schwärme von Minidrohnen, undbewaffnet!, mit Kameras ausgerüstet; kann ganz schön nervig sein; der Zuschauer erlebt wie die Aufnahmen dieser Drohen simultan auf Riesenleinwände in den Headquarters von Regierung und Forschung übertragen werden, dort wo die Jungs an den Joy-Sticks spielen; Überwachung total; das Motiv der Regierung ist die Sicherheit der Nation. An einer Stelle hechtet Wahlberg nach so einer Drohne und erhascht sie wirklich und setzt sie außer Gefecht – erzählt uns doch unterhaltsam, dass Drohnen vielleicht doch bekämpfbar sind.

Das Schema der Konflikte kommt einem franchisehaft bekannt vor. In dieser neuen Folge des Produktes wird am Schluss allerdings noch eine halbe Stunde lang reiner Kaastrophenfilm vornehmlich in HongKong angehängt. Dieser Anhang wirkt, als habe sich der Regisseur in einem Rauschzustand befunden, was man noch alles an Katstrophen erfinden können, wie ein Transformer wie mit einem Transportnetz für Helikopter und hier samt hübscher, püppchengesichtshafter Frau, Tessa der Tochter von Yaeger, vom Erdboden gehievt wird. Oder wie das Raumschiff der Transformer (früher war eine bildliche Genese der Form kurz eingefügt worden, scheint sich aus einer Art Urvogel, wie einem Strauß oder einem Emu entwickelt zu haben) Gegenstände vom Erdboden wie magnetisch anzieht, um sie dann aus großer Höhe fallen zu lassen, und immer noch größere Gegenstände bis hin zum Autobus, der seine Fracht entleert oder bis zum Meerschiff. Haben wir schon in einem Naturfilm gesehen, wie Vögel Nüsse knacken.

Dieser Katastrophenanhang wird mit schmerzhafter Lautstärke vertont, so dass die Kinosessel beben und diese zu Massagesessel sich transformieren. Was transformiert sich beim Zuschauer dabei? Wohl kaum etwas, denn die Familie ist ein hoher Wert und Dankbarkeit auch und kann in der Not viel zusammenhalten. Der Versuch, die Sicherheit des Staates zu garantierten kann zu gefährlichen Experimenten führen und eine beachtliche Schadenstrecke hinterlassen. Protect the Nation. Protect the Family. Es ist auch von einer neuen Ära die Rede von einem Wechsel in der Geschichte. Was ist da neu, außer dass die Menschen sich bekriegen wie eh und je? So kann Geschichte zur Mode werden und die Mode wird vielleicht zu Geschichte.

Niedlich ist Yaegers Roboterhund, auch der ein Seelenkräusler fürs Publikum. Weniger niedlich der Aufmarsch von Polizei und Geheimdienst auf Yaegers Land- und Arbeitssitz, weil sie den Optimus Prime (zurecht) bei ihm vermuten. Kleine Weisheit dazwischen gestreut: jede Spezies glaubt, sie sei der Mittelpunkt des Universums – definiert sich so nicht auch Individualität?

Effektvoll: wenn Optimus sich aus dem Lotter-Lkw in einen stattlichen, rot-silbernen Truck bei rasender Fahrt verwandelt, rasanter als die Entwicklung eines Schmetterlings aus dem Kokon. Und wie er sich in den Optimus zurückverwandelt, tauchen die roten Metallteile des Truckchassis als Teile seiner Rüstung wieder auf.

Dann wieder Familiy-Geschichte, während der wildesten Verfolgungsjagd will Yaeger Genaueres über den Freund seiner Tochter wissen.
Kino als furioses Spiel und Montage von Bildern, von den Produzenten ebenso furios eingesetzt als Gelddruckmaschine.
Dagegen bezaubernder, poetischer Lichterregen, der in Zeitlupe niedergeht nach heftigen Explosionen, an solchen Licht- und Lichtreflexspielen hätte Renoir seine helle Freude gehabt.
Nach einem Kampf sieht einer der Transformer aus, wie eine der verbrannten Mumien aus Pompeji.
Zwischendrin pfadfinderhaft lauschige Lagefeuerszene (Hollywood weiß besser als alle anderen, dass der Zuschauer zuhause abgeholt werden muss).
Manche Transformer scheinen sich nach meinem Gehör mit dem japanischen „Sensei“ anzusprechen, reizvoll, companeros! Die Forschung steht vor einem Quantensprung (sonst bekommt der Zuschauer nicht das Gefühl, dass er Wichtigem beiwohnz).

Der Glaube an die Technologie: you cannot stop technology.
I broke the code. We can make you now. We dont need you any more.
Nation: Human Freedom is at stake; innocent people die. Schöner Staatsslang.
So today you stand with us or you stand against me (Amerikas Freund/Freind-Apodiktik).
Titanenkämpfe.
In der letzten halbe Stunde wird es mittelalterlich-zäh. Wenn auch auf dem neuesten Stand der Technik.
Und: in einer Stadt kann nach so einem Titanenkampf noch so alles in Schutt und Asche liegen: die Flagge Amerikas, die hängt intakt an der Stange.

Mark Wahlberg scheint ein umgänglicher, leicht handhabbarer Schauspieler zu sein und tut schön verlässlich das, was die Regie von ihm verlangt. Auch solche Verlässlichkeit kann ein Sicherheitsgefühl transmittieren.

Man könnte auch sagen: alles halb so wild, wenn‘ s nicht so laut und so lang wär.

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