Dieser Bestseller um die existentiellen Themen „große Liebe und früher Krebstod“ von John Green wurde hier von Scott Neustadt und Michael Weber zu einem Drehbuch umgearbeitet, das Josh Boone dermaßen in Watte und Feelgood verpackt und in eine Wolke aus Wohlfühl-Niemandem-Weh-Tun-Sound gehüllt hat, dass selbst der Alt-Männer-Zynismus eines William Dafoe als holländischer Autor Peter van Houten wie die süße Beilage zu einem feinen Crèpe wirkt, so dass sich bei mir nach über zwei Stunden ein gewisses Völlegefühl, eine gewisse Gesättigtheit an Feelgood-Tumor eingestellt hat.
Das Sterben kann eine mühsame und langwierige Angelegenheit sein und muss sich erst recht hinziehen, wenn die Filmemacher sich für eine Art Daily-Soap-Kino-Performance entschieden haben. Das wirkt anfangs gewinnend. Es wird dezidiert, wie es heute allerdings auch keine Sensation mehr ist, das Thema Tumor angegangen. In der kirchlichen Selbsthilfegruppe, die über einem Teppich mit dem Herzen Jesu tagt und deren Leiter ein Hodenkrebs ist, werden sich unsere beiden Protagonisten kennen lernen. Es sind dies Hazel, Shailene Woodley, die an der Lunge angegriffen ist, leicht sammelt sich da Wasser; sie ist ständig an eine mobile Sauerstoffzusatzversorgung angeschlossen und Augustus, Ansel Elgort, der schon ein halbes Bein weg hat, der jedoch im Moment des Kennenlernens als geheilt gilt.
Der Film lässt sich Zeit für die Schilderung der besorgten Eltern, des Vorstellens der Krankheiten und schließlich des Kennenlernens der beiden. Die Frage steht im Raum, kann es sich noch lohnen zu lieben, wenn man bald sterben wird. Auch die Frage, die Augustus umtreibt, ob man bald vergessen werde. Die Liebe der beiden wird die Antwort darauf sein, die ein unglaubliche Liebe sein muss.
Die Liebe führt Hazel und Augustus für einige Tage nach Amsterdam auf der Suche nach dem Autor, dessen Buch ihnen wichtig ist. Dort erleben sie eine Abfuhr, aber es gibt auch einen breit geschilderten emotionalen Besuch im Anne-Frank-Museum und in der obersten Dachstube einen intimen Kuss inklusive Applaus der umstehenden Touristen. Daily Soap will nichts auslassen, was augenfällig ist.
Ein Rückfall von Hazel. Der erneute Ausbruch der Krankheit und das Streuen der Metastasen bei Augustus. Das ausführliche Ausdenken der Trauerfeier, die Proberede bis zu Ende von Augustus, der schneller war.
Die deutsche Synchronisation benimmt sich feierlich, voller Respekt für das Sakrale an so einem Tumor-Feelgood-Movie. Mit der Hauptdarstellerin habe ich etwas Mühe, sie fasziniert zwar anfangs mit ihren distanzierten Blicken, aber scheint sich dann nicht ganz für die Rolle zu öffnen, im Gegensatz zu ihrem Freund, einem schauspielerischen Nachwuchsvollblut.
Schöner sms-Satz, wie Funkstille zwischen Hazel und August herrscht, weil sie ihn nicht durch ihren Tod verletzen will (also man sieht: das Thema ist urmenschlich) „Dein Schweigen ist ohrenbetäubend“. Dafür sitzen sie bald darauf auf der „Schaukel der Tränen“.
Die Grundstimmung über weite Strecken im Film hinreißend, und so auch vom Film selbst apostrophiert, speziell in Amsterdam um das Abendessen im feinen Lokal „Oranje“, wozu August nach Meinung von Hazel den „Todesanzug“ angezogen habe. Solche Zitate können verständlich machen, worin der literarisch erfolgreiche Wert des dem Film zugrunde liegende Romanes liegt.
Die Kamera von Ben Richardson wirkt in diesem Film, als wolle sie den Liebenden-Sterbenden die Hand auflegen.