Die italienische Art (DVD)

Angelo Bozzolini geht in diesem seinem Dokumentarfilm am Beispiel des römischen Orchesters Santa Cecilia der Frage nach, was einen italienischen Klangkörper von anderen unterscheide, was die italienische Art sei und lässt sich von derselben für seinen Film inspirieren.

Die Italienischen Orchester seien vielleicht nicht so präzise wie andere von Weltrang aber dafür mit mehr Enthusiasmus, mit mehr Herz. Es gibt die Aussage eines Musikers, der meint, wenn er eine bestimmten Stelle von Ravel in New York höre, da passiere nichts, in Rom dagegen bekomme er Gänsehaut.

Der Film fängt selber in der Art eines Orchesters an, mit einem Durcheinander wie dem Stimmen der Instrumente, zeigt Bilder von kickenden Jungs, von einer Frau auf einem Hometrainer, die merkwürdigerweise durch die offene Tür sich überhaupt nicht für die Jungs in Sichtweite interessiert. Das hat grad noch gar nichts mit dem Thema zu tun. Das lässt nicht auf konzeptionelle Filmkunst, auf systematisch präzise Arbeit schließen, die italienische Art eben, landet bei einer kleinen Orchesterprobe und hat bald Maestro Pappano im Fokus, Sohn italienischer Emigranten aus London, den es in seine Heimat zurückgezogen hat, zum römischen Orchester Santa Cecilia.

Noch sieht es so aus, als solle der Film eine Hommage an diesen Meister werden, der beim Dirigieren immer wie dadaistische Laute von sich gibt, dessen Mund ständig in Bewegung ist, auch eine Gedenkstunde an dessen verstorbenen Vater scheint in Vorbereitung und die Orchestermitglieder dürfen in Statements den Maestro loben.

Bald aber weitet sich wie in der Fülle eines Konzertes der Blickwinkel, geht auf die Geschichte des Orchesters ein, auf andere Dirigenten, macht spontane Ausflüge aufs Land, wo ein Orchestermitglied Bienen züchtet und ein anderes Landwirtschaft betreibt, macht einen Abstecher in ein bergiges Dorf im Fleimstal, das jährlich einen Nadelbaum zur Herstellung von Streichinstrumenten hergibt, beobachtet das Fällen des Baumes, besucht anschließend den Geigenbauer in Sarcrofano und kehrt wieder wie in wildem Strudel nach Rom zurück, taucht ein in die Vergangenheit des Orchesters – ein wie in einer klassischen Orchesterklangwolke gehaltenes Dokpotpurri rund um die Musik und ihre Italianitá.

Zu sehen sind teils nur beim Dirigieren oder auch mit Statements zur Klassischen Musik, zur Italianitá und überhaupt zum Klangkörper, dass er Kunst zum Leben erwecken müssen, Dirigenten wie Juri Temirkanov, Giorgo Solti, Valery Gergiev, Leonard Bernstein, Georges Prètre (der beim Ravel-Dirigat in definitive Verzückung verfällt), Daniel Harding, James Colon, Carlo Rizzani.
Die Italianita und der Belcanto, il Cuore und die kreativen Ideen des römischen Orchesters. The act of making Music, der dynamische Aspekt ist wichtig.

Eine Tournee durch deutsche Städte, Berichte über Angstträume und ein Trompetensolo auf dem Stilfserjoch (eine weitere Aufnahme davon ist zu sehen auf der DVD Stilfseroch) steuern den Film aufs Finale zu, welches in eine traumhafte Unterwassersequenz mit Cello und Cellistin mündet.

Zu hören gibt es Sequenzen von Brahms, Ravel, Rimski Korsakov, Schostakowitsch (ihm ist Temirkanov noch begegnet, wie er in einer kleinen Anekdote erzählt), Schubert, Beethoven.
Eviva l’Italianitá!

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