A Million Ways to Die in the West

Vor einem dieser Millionen möglicher Tode im Westen vielleicht noch eine gute, aktuelle, spannende Geschichte zu erzählen, wäre sicher keine schlechte Idee gewesen, statt das Westerngenre lediglich zu benutzen, um in der Variante eher betulich, akademisch aneinandergereihter, teils einfältiger Parodie- und Analwitze für Lachwurzen einen Beitrag zum Thema „schwacher Mann“ zu versuchen. Oder allenfalls der Frage nachzugehen, was ein angemessener Tod für einen schwachen Mann, einen modernen Nerd wäre.

Hier bleibt nur die These, dass selbstverständlich auch in einem Film, der 1882 im brutalen, männerbrutalen, Arizona spielt, der schwache Mann, weicher, kantenloser Schafzüchter und Protagonist Seth McFarlane als Albert Stark, ein Nerd mit den Sensibilitäten unserer Zeit, am Ende ein starker Mann, voraussichtlich auch Ehe- und Erzeugermann wird, inmitten seiner Millionen Schafe am Rande trockener Wüste.

Davon träumt vielleicht Seth McFarlane und will konturlos in markant verwandeln. Er spielt nicht nur die Hauptrolle, er ist so überzeugt von sich, dass er auch das Buch geschrieben hat unter Beihilfe von Alec Sulkin und Wellesley Wild und ferner die Regie übernommen hat. Er muss sich dabei nicht einmal übernommen haben. Das ist nicht die Frage, das managt er sogar ganz gut, ganz ordentlich, diese Multifunktion. Nur, was will er mit diesem Film erzählen, außer dass er sich für einen ganz tollen, modernen Hecht hält, der sich vom Westernmacho unterscheidet, dass er keine Scheu vor Fäkalien und Durchfall, von Analitäten und Banalitäten hat?

Herausgekommen ist jedenfalls ein Film, der mir so leer vorkommt wie die berühmte arizonische Wüste mit ihren kirchturmartigen, von Wind und Wetter ausgewaschenen, in den Himmel ragenden Felszacken. Die Kamera fliegt über diese unbelebte Westerntraumgegend hinweg – und findet: nichts, keine Geschichte. Sie findet eher ein verstaubtes Westernmuseum und versucht dieses mit einer Abfolge von vorgeblichen Parodieszenen, aufgereiht an einem ordentlichen Faden von Geschichte, zu beleben. Das jedenfalls scheint das verfehlte Ziel von McFarlane zu sein.

Albert Stark ist ein Schwächling, er will nicht kämpfen, er kommt mit seiner Schafzucht nicht zurecht, er vernachlässigt das Scheren, so dass ein Schaf, wie ein in Wolle gekleideter Betonklotz, die Sicht überwachsen, in eine Wand hineinrennt. Rammbock statt Scherschaf. Zum Erzählen finde ich das lustiger als es im Film rüberkommt.

Verliebt war Stark in Louise. Die gibt ihm den Abschied, weil sie sich in einen Schnurrbartwarenhändler verliebt hat. Der verfügt über finanzielle Ressourcen. Der kann ihr moderne Kleider und mehr bieten. Stark steht dumm und ausgebootet da. Bis er auf die Gangsterbraut trifft. Hier findet er die Anerkennung als Mann auch ohne Geld. Gefordert wird der ganze Mann schließlich, wie der Gangstergatte Clinch auftaucht. Es kommt zum Duell. Die Beziehung zu Anna wird Stark zum richtigen Mann machen. Bei ihr lernt er nicht nur das Schießen, sondern auch, wie ihren Gatten im Duell besiegen. Wobei da ein paar Tricks von Indianern, die ihn in einer Notlage aufgegabelt haben, ganz hilfreich sein können. Das beweist, wer die Indianersprache kann, der kommt weiter im Leben.

Der Pennäler-, Furz- und Dünnschisshumor, der in diesem Film zur obersten Leitinstanz wird, schildert eine Liebesnacht so, dass Louise beim Schnauzwarenhändler liegt, an seinen Schnauzhaaren, den eingeschmierten, nuggelt und zutzelt während er es sich unter der Bettdecke selbst besorgt. Stark fordert den Schnurrbart zum Duell heraus. Dieser bekommt furchtbaren Durchfall, der zu ausgiebigen Szenen auf dem typischen Western-Dorf-Duell-Platz führt. Soll dem Vernehmen nach lustig sein. Und zeitigt einen weiteren Witz, für dessen langatmige Erklärung der Duellant Stark extra nochmal auf den Platz zurückkehrt. Der Witz über die Barthaare an Louisens Muschi.

Es gibt eine weitere, schwache Figur. Der ist verliebt in die Saloon-Nutte. Er ist noch keusch mit ihr, wat haben wir jelacht, und sie möchten es richtig christlich angehen und erst nach der Hochzeit schnackseln. Aber Ruth, so heißt seine Freundin, muss immer wieder im ersten Stock die starken Männer des Westens bedienen. Die Wirtin kann Edward anhand der akkustischen Signale von oben sagen, wie lange er noch auf seine Angebetete warten muss.

Warum mir die Angelegenheit so brav, so wenig zündend, so bemüht, so ordentlich, so behäbig arrangiert vorkommt, dürfte daran liegen, dass der Parodieversuch von Seth McFarlane das Westerngenre museal einsetzt, so dass die Parodie keine heutigen Menschen oder Filmemacher trifft. Ihr fehlt der Widerstand, man könnte auch sagen: der Geist. So kann Parodie nicht funktionieren. Ein fade Figur ohne Bezug zum Western soll in diesem als Parodie-Mittel eingesetzt werden. Solche Parodie kann keine wunden Punkte treffen. Oder das Problem ist ein anderes, der Filmemacher hält sich selbst für einen modernen, starken Mann, das beweist unter anderem seine Multifunktion in diesem Film, will aber letztlich keine Schwäche zu lassen, so dass diese äußerlich, oberflächlich bleibt und ihr der Stachel für die Parodie fehlt.

Nachdem Anna versucht hat, ihren Mann, der sich untenrum gerade für den Sex mit ihr freimacht, mit einem Stein auf den Hinterkopf zu erschlagen, kommt er bäuchlings auf dem Boden zu liegen, des Popos nackte Haut nach oben. In diese Spalte steckt Anna nun ein Sonnenblümchen. Bilder aus dem Blümchensexheft. Auch dieser Szene misst der Filmemacher beachtliches Gewicht bei.

Die krepieren an ihren eigenen Fürzen.
Ein Schaf von Stark hatte sich letzte Woche ins Bordell verirrt. Es hat dabei 20 Dollar verdient. Witz. Aus diesem Film.

Rückblende Kindheitserinnerung von Stark: der Vater erzählt von der Zahnfee, wenn das Kind einen Zahn unters Kopfkissen legt, legt die Zahnfee an die Stelle einen Penny. Aber der Vater war böse und hat unterm Kissen Pferdeäpfel platziert. Wie soll aus so einem desillusionierten Kind was werden?

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