Kathedralen der Kultur (DOK.fest)

Der Vorteil eines solch internationalen Episodenfilmes scheint der zu sein, dass keiner der Regisseure sich die Mühe machen muss, einen ganzen Film herzustellen mit dem entsprechenden Spannungsbogen.

Die Kathedralen der Kultur, die sich Wim Wenders, Michael Glawogger, Michael Madsen, Robert Redford, Margreth Olin, Karim Ainouz vorgenommen haben, müssen sehr düster sein, denn nicht nur filmen die Autoren durchs Band fast nur dunkle Szenen, sondern sie tun sich auch noch die Spielerei in 3D an – ein internationaler 3-D Workshop für Arrivierte, gut bezahlte Künstler? -, wodurch die Düsternis dieser Kathedralen noch dunkler wird; und das 3 Stunden lang mit so einem 3D-Gestell auf der Nase, ein happiger Happen fürs Kulturpublikum und Lob für ausgeklügeltes Menschenwerk.

Was solls. Die Herrschaften haben Geschmack. Wenders, Madsen, Olin und Ainouz lasse ihre Gebäude selbst erzählen; was einen gedämpften, fast heimlichen Ton abgibt. Es sind dies die Berliner Philharmonie, eine Knastbau in Skandinavien, das Opernhaus von Oslo und das Centre Georges Pompidou mit dem industriellen Tinguely-Kunstwerk davor in Paris.

Robert Redford hat sich ein Forschungszentrum ausgesucht und Glawogger, der einzige mit Humor in der Riege, der treibt sich in der großen Bibliothek von Sankt Petersburg rum, macht endlose 3D-Fahrten, stößt auf eine Welt, lange vor der digitalen, mockiert sich fast ein wenig über die eine und andere Mitarbeiterin, die noch mühsam von Hand Karteikarten einsortieren oder Bücher die langen Flure entlang tragen, eine faszinierende, wie stehengeblieben wirkende Welt, ein Hort der Kultur.

Da der Film sicher als Matinee fürs bürgerliche Kulturpublikum angedacht ist, so geschieht diesem die Passion mit 3D und der Überlänge ganz recht. Kathedralen müssen verdient sein.

In Opernhaus von Oslo interessiert allerdings weniger das Gebäude selbst als vielmehr die Balletteinlagen und in Berlin lässt der Regisseur den Kommentar des Hauses über Proben und ein Konzert der Philharmonie durch die Räume flanieren.

Laut Pressematerial soll der Film in zwei Versionen ins Kino kommen, als 156-Minüter mit Pause oder als Version B mit 2 x 3 Episoden. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Die Gebäude sind selbstverständlich wegweisende Spitzenarchitektur und die Beschäftigung mit ihnen, ob alt ob neu, ist gewiss anregend. Von den Regisseuren vielleicht eher eine Art Pflichtübung zum Verdienen der Miete in Durststrecken zu sehen oder als bezahlte Fingerübung in 3D.

So weit die Review wie vorbereitet und ohne besondere Vorkommnisse. Inzwischen ist aus dem Film leider wieder einer dieser Gedächtnisfilme geworden. Michael Glawogger, der sich die altertümliche Bibliothek in Sankt Petersburg vorgenommen hat, ist inzwischen in Afrika an Malaria verstorben. Das verändert automatisch die Sicht auf seinen Film, hebt ihn in diesem Episodenkonglomerat aus 3D-Düsternis noch heller hervor.

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