Des Chinesischen Künstlers Ai Weiwei Leben ist selber ein Kunstwerk im Sinne der Spiegelung gesellschaftlicher Realität, hier chinesischer Behördenwillkür; insofern ist selbst die Dokumentation des Dänen Andreas Johnsen als ein Teil des Kunstwerkes, der Kunstaktion „Ai Weiwei“ zu sehen.
Johnsen begleitet Ai Weiwei während der Bewährungsfrist von 8 Monaten, nachdem der Künstler ohne jeden Rechtsbeistand, ohne Begründung, ohne Kontakt zur Familie 81 Tage lang an einem unbekannten Ort von den chinesischen Willkürbehörden festgehalten worden ist. Immerhin sahen sie sich genötigt, eine Anklage zu erheben mit der Begründung wegen Steuerhinterziehung. Gegen Bezahlung einer Kaution und vielerlei das Leben einschränkender Auflagen kommt er wieder frei.
Nun ist Ai Weiwei einer der Topkünstler der internationalen Kunstszene und er fragt sich zurecht, da das Interesse der Medien an ihm groß ist, warum die Behörden ihn einerseits verhaften und auch warum sie ihn ohne wieder Grund freilassen. Er darf in der Bewährungszeit keine Interviews geben, jeden Ausflug, jedes Verlassen seiner geräumigen Behausung mit Atelier (hier wohnt auch seine Frau und sein Sohn und seine Mutter) muss er mit Beamten absprechen.
Nach seiner Entlassung aus der Haft sieht Ai Weiwei ziemlich mitgenommen aus. Oft hat er Mühe, seine Gedanken zusammenzukriegen, das schiebt er jedenfalls vor, warum er keine Texte schreiben könne. Und statt eines Interviews könne man ihn ja beim Duschen filmen. Denn faktisch ist jedes Bild von ihm inzwischen ein politisches Statement und Filmen beim Duschen ist doch nicht indezent, sondern Duschen ist ein hochanständiger Vorgang, meint er.
Natürlich lässt er in dieser Zeit das Arbeiten nicht. Eine große Installation in 6 Containern ist die Nachstellung von 6 verschiedenen Szenen aus seinem Gefängnisalltag „S. A. C. R. E. D.“, inklusive der beiden Wächter, die ständig bei ihm in der Zelle waren. Einer sass und hat ihn beobachtet, der andere ist pausenlos auf und ab gegangen, so dass Ai Weiwei nicht schlafen konnte. Auch nach der Haftzeit ist er pausenlos überwacht worden. Ein Aschenbecher mit Kippen, die ihn beobachtende Zivilbullen auf einem Tischchen hinterlassen haben, wird von Ai Weiwei zum Kunstwerk gemacht.
Einmal legt er sich sogar mit der Polizei an, wie sie einem Bekannten den Fotoapparat wegnehmen wollen und diesem die Arme zerkratzen. Bei so einer Aktion kann Ai Weiwei sich sehr schnell ins Unrecht setzen. Immerhin wurde ihm die Kaution zurückbezahlt. Zum Prozess wegen Steuerbetrugs wurden weder er noch die Presse zugelassen. Lediglich der Anwalt erzählt, dass er ein Plädoyer von einer Minute halten durfte. Aber dass die Richter sich wohl nicht dafür interessierten. Es gab eine spontane Spendenaktion für Ai Weiwei, eine Million ist zusammengekommen für die Kaution. Daraufhin macht Weiwei Fotos von sich mit Banknoten, die er als Papierflieger auf seiner Kleidung festmacht und eine Bewegung des Fliegens.
Seinen Pass haben ihm die Behörden nicht zurückgegeben. So kann er China nicht verlassen. Er muss weiter mit allem rechnen. Er scheint mit seiner genauen Beobachtung und früher auch mit seinen Texten die Behörden in Schwierigkeiten gebracht zu haben. Deshalb reagieren sie mit absurden Willkürakten an ihm. Geben ihm damit ständig hochaktuelles Material für neue Kunstwerke an die Hand, Material für die Journalisten und Fotografen, die so aus China berichten und wenn sie nur berichten, dass sie eigentlich nicht berichten dürfen, so ist das auch schon wieder ein Bericht.
Al Weiwei wird zum Beweis dafür, dass Behördenwillkür ihre engen Grenzen hat, wenn sie auch kurzfristig glauben, was zu erreichen, aber die Kunst ist nicht tot zu machen, sonst wird sie noch als Leiche ausgestellt. Das ist die feste Überzeugung von Ai Weiwei. Auf die Spitze getrieben hat er es mit der Installation von vier Kameras in seinem Schlafzimmer und ständiger Direktübertragung ins Internet. Er wolle den Behörden bei der Überwachung helfen. Das hat diesen nun grad gar nicht gepasst. Seine Gefangennahme bezeichnet er als Kidnapping. Der Titel des Filmes rührt daher, dass einerseits seine Firma in Peking „Fake“ heißt, dass aber der Fall „Fake“ selbst wiederum ein von den Behörden gefakter Fall ist.