Die Muppets, wie sie sind, wie sie immer schon waren und wie sie immer sein werden.
Da ist eine Revolution, eine Entwicklung, eine Anpassung an die Zeit offenbar nicht möglich. Weil dieses Gewusel aus MuppenPuppen ist einfach zu herrlich und so ein quirliger, lebendiger Haufen, dass man sich daran genau so ergötzen kann wie an einem Aquarium mit Goldfischen oder an einer spätsommerlichen, im Wind sich bewegenden Blumenwiese.
Insofern ist auch die Geschichte nicht allzu wichtig, insofern ist es völlig egal, dass hier Ganovenstück, Musical, Tourneestory und auch Kalter Krieg ineinander geflochten sind. Für ein Publikum, was genau so gerne gepflegt in ein Operetten- oder Musicaltheater geht, so wie die ausverkauften Häuser es zeigen, die hier bei den Tourneestationen der neuen Muppets-Show durch Europa vorkommen.
Selbst im sibirischen Gulag wird getanzt und amerikanisches Musical geübt. Denn Kermit, den Frosch, hat es hierhin verschlagen. Er ist einer gezielten Verwechslung zum Opfer gefallen. Der böse Frosch Constantine ist der meistgesuchte Verbrecher auf der Welt; er hat ein Muttermal auf der rechten Wange. Das kann man mit einem grünen Kleber wunderbar verdecken. Er nimmt den Platz von Kermit bei den Muppets ein, während der Original-Kermit im Gulag friert.
Traurig stimmt allerdings, dass die anderen Muppets überhaupt nicht bemerken, dass Kermit plötzlich nicht mehr Kermit ist; das wird gegen Ende hin, bei der Auflösung der ganzen Verwicklungen dieses Filmes, zu dem James Bobin die Regie geführt und mit Nicholas Stoller auch das Drehbuch geschrieben hat, zu einer recht anrührenden Szene führen.
Die Muppets haben sich von einem dubiosen, amerikanisch-TV-freundlichen Manager zur Europa-Tournee überreden lassen. Für den kriminellen Manager, der mit Constantine unter einer Decke steckt, ist die Tournee lediglich Vorwand und Deckmantel, um sensationelle Juwelendiebstähle in den jeweiligen Städten und in direkter Nachbarschaft zu den jeweiligen Theatern zu inszenieren.
Verkaufstechnisch für den Film dürfte von Vorteil sein, dass er an einigen europäischen Orten Halt macht: Berlin, Madrid, Dublin und London; weil dadurch lokale Stars und Starlets noch in den Film eingebaut werden können; selbstverständlich ist das kein Zufall, sollten deswegen die Boxoffice-Erlöse steigen.
Anfänglich gibt es Szenen, die diese Tournee initiieren, da kommt der schöne, programmatische Text vor: we are doing a sequel, man könnte hinzufügen, im Saft des alten, glamourösen Hollywood. Nur, wen soll es heute noch ansprechen. Kinder? Mit diesen Gulag-Szenen? Ist diese Muppets-Show vielleicht das Heilmittel gegen die europäische Krim-Krise, die Ukraine-Krise? Das zumindest suggeriert der Gulag-Ausflug mit der heilenden Wirkung amerikanischen Entertainments. Im Zeitalter von NSA, Guantanamo und gezielten, vorbeugenden Tötungen mittels Drohnen weltweit wirkt dieser Glaube allerdings etwas naiv und altbacken.