Mehr als alles andere hält die Musikspur von Maciej Sledziecki dieses Kino als Gedenkveranstaltung mit ihrem von der Regie allein gelassenen Kraut- und Rübencast und dem Notdrehbuch um die Fragmente eines abgebrochenen Drehs wegen Todes der Hauptdarstellerin zusammen.
Mitten während der Dreharbeiten zum Kern dieses Filmes von Lola Randl, die mit Philipp Pfeiffer auch das Drehbuch geschrieben hat, starb die Hauptdarstellerin Maria Kwiatkowsky. Als Ersatz- oder Übersprungshandlung drehte die Regisseurin „Die Libelle und das Nashorn“. Das Material aus dem ursprünglichen, abgebrochenen Film hat sie jetzt mit einer nachgedrehten Rahmenhandlung vereint.
Die Regisseurin hat sich entschieden, in dieser Rahmenhandlung die Geschichte, die beim ersten Dreh passiert ist, nämlich der unerwartete Tod der Hauptdarstellerin, zu erzählen, also der ersten, abgebrochenen, fiktionalen Geschichte eine dokumentarische Spielgeschichte überzuziehen. Die Realität des Drehs nimmt jetzt die fiktionale Geschichte in ihren eisernen, dramatischen Griff.
Aus den Fragmenten des ersten, fiktionalen Filmes ist immerhin abzulesen, dass es darin um die Liebe ging. Eine reiche, alte Frau heiratet einen Erbschleicher. Dessen Geliebte, mit der er den Erbschleicherplan ausgeheckt hat, lebt mit im feinen Haushalt und gebiert für das Paar ein Kind. Dann stirbt die Alte. Aus dieser Kurzbeschreibung ist allerdings nicht zu ersehen, wie denn nun genau das Thema der Erfindung der Liebe ursprünglich behandelt werden sollte, welch aufregende These es gewesen sein soll, die sich hoffentlich von der Groschenromanze unterscheidet, die jetzt übrig geblieben ist.
Die Krux dieser dramaturgischen Reparaturübung scheint mir ein thematischer Wechsel in pseudodokumentarischer Manier zu sein, die aber vielleicht nicht gut genug vom Cineastischen her (wie die Liebe das Kino durchdringt) durchdacht worden ist; das Thema reduziert sich auf die nachgestellte Geschichte, wie geht ein Filmteam mit einer solchen Katastrophe um?
Das sind leider ganz andere Fragestellungen, das ist eine Art Touristenführung durch ein Filmset, an welchem eine Drama stattgefunden hat, wobei logischerweise auch unter den Teammitgliedern und Darstellern sich erotische Fäden entwickeln, das ist aber filmisch nun grad gar nicht richtig ausgearbeitet. Die Sekundär-Story ist eine völlig andere als die Primär-Story. Das ist zwar eine naheliegende, katastrophensituationsbedingt praktische Lösung, die vermuten lässt, dass nicht all zu viel Kinophilosophie dahinter steckt, wirkt wie krudes Machertum – was die Frage auslöst, warum ums Himmels Willen soll so ein Produkt mit Geldern aus staatlichen Zwangsgebühren des Rundfunkes gefördert werden? Es ist private Trauerarbeit, die kein weiteres, öffentliches Interesse bedient. Man kommt sich ein bisschen wie ein ungebetener Zaungast vor bei einer Veranstaltung, die einen nichts angeht. Man fragt sich lediglich verzweifelt, warum hat der Tod ausgerechnet Maria Kwiatkowsky geholt, die doch mit ihrer Leindwandpräsenz alle anderen weit überstrahlt?
Abgesehen davon, Themen wie Tod und Liebe sind essentielle Kinothemen, wie kann man sie nur begraben unter einem Wust an, noch dazu nicht besonders inspirierten Fake-Doku-Szenen, die ein bisschen aus dem Nähkästchen des Filmemachens plaudern sollen? Wie kann ein Kinomensch so eine Fehlentscheidung fällen? Wenn der Tod schon frei macht, warum nicht auch zu kreativer Drehbucharbeit? Ein Film, der andererseits wegen der Umstände einen Mitleidsbonus verdient: Schwamm drüber.