Transcendence

Künstliche Intelligenz ist ein akutes und brennendes Thema, ein Forschungsobjekt, was sich in rasender Entwicklung befindet. Dieser möchte dieser Film von Wally Pfister nach einem Drehbuch von Jack Paglen eine Drehung weiterhelfen, sie eine schwer vorstellbare Dimension weiter spinnen.

Hier geht es soweit, dass die Intelligenz eines bereits Verstorbenen sich im Netz ausbreitet, Allmachtfantasien nebst gewaltigem Energiehunger entwickelt. Und damit der Regisseur Wally Pfister, der sonst ein Kameramann ist, nebst vielen dunklen Innenraumbildern auch einige Schießereien in der Wüste fotografieren kann, werden ex nihilo Terroristen aufgefahren.

Mit dem Thema künstliche Intelligenz hat zuletzt der Spielfilm „Her“ mit Joaquin Phoenix fasziniert. Hier wurde eine computergenerierte Frau zum Mittel gegen die Einsamkeit des Großstädters, ein anrührender, packender Film, nah am Menschen.

Warum dieser Film hier einen eher kalt lassen dürfte, liegt weniger an den schmucken, geschmackvoll ausgewählten Darstellern von Rebecca Hall über Johnny Depp, Paul Bettany bis Morgan Freeman und sicher auch nicht an den ebenfalls geschmackvoll gewählten Sujets, Räumlichkeiten noch an der Ausstattung.

Das größte Handicap hier dürfte das Buch sein. Es will diese Ausweitung der Möglichkeiten künstlicher Intelligenz nicht als spannende Geschichte aufdröseln sonder mehr wie ein mit einer dünnen Spielstory illustriertes Fachreferat vortragen, mit einem Vortrag fängt es ja auch an, was Johnny Depp als Wissenschaftler und Forscher Will Caster mit der Erweiterung der Möglichkeiten des Einsatzes künstlicher Intelligenz bezwecken möchte, nämlich Heilung für die Menschheit, Befreiung von Alzheimer und Krebs. Eine Angelegenheit zum Nutzen der Medizin.

Das Buch unterlässt es insofern konsequenterweise, uns die Hauptfiguren mit einem Konflikt darzustellen, der für den Zuschauer nachvollziehbar wäre und sein Modell künstlicher Intelligenz in der Erfahrung des Zuschauers verankern könnte. Es scheint, als ginge es hier um eine Produktpräsentation, die mit an den Haaren herbeigezogenem Terrorismuselement belebt werden soll. Wobei das Produkt selbst als solches auch merkwürdig wenig zündet. Bei „Her“ war so faszinierend, dass man von der künstlichen Freundin Samanta nur die Stimme hörte, deren künstlich erzeugten Texte. Hier fällt Johnny Depp dem Attentat eines Fanatikers zum Opfer; sein Gehirn wird für die künstliche Intelligenz nutzbar gemacht. Ein merkwürdiges, künstliches Intelligenzmonstrum schwebt den Machern des Filmes vor, was von den Computern, die am weltweiten Netz hängen, Besitz ergreift und sie sich fügbar machen will. Ein Abstraktum mit einem Etikett des verstorbenen Johnny Depp versehen, dessen Stimme plötzlich aus den verschiedensten Personen zu vernehmen ist. Das wirkt mehr wie ein bemühter Faschingsscherz denn als ernst zu nehmende Utopie. Der gute, vertraute Johnny Depp, der hier schauspielerisch unterfordert wirkt. Und falls diese Monstrumsidee den Begriff Transzendenz illustrieren soll – da war die deutsche Philosophie schon monströser.

Thema nach Eigenaussage des Filmes ist die unvermeidliche Kollision von Mensch und Technologie. Die Folgen eines sich selbst erhaltenden, künstlichen Gehirns, dessen Ziel es ist, Leben zu retten, Alzheimer und Krebs. Die negativen Folgen der guten Absicht „evolve the future“, wenn sich diese Geister, die die Menschen rufen, Großes zu tun, verselbständigen. Eher schwacher Faustabklatsch. Der Film setzt nach Selbstauskunft Singularität mit Transzendenz gleich.

Die Synchro erweckt den Eindruck von österlicher Sakralität.

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