Irre sind männlich

Da ist es wieder, unser liebes, anspruchsloses Pfründenkino, bei dem der einzige Anspruch der zu sein scheint, auf der korrekten Bezahlung der guten, zwangsgebühren- und steuerfinanzierten Gage zu bestehen.

Irgend ein Produzentenmensch hat eine Idee, die er für absolut irre hält: zwei Männer holen sich in Therapiegruppen die Frauen – und der Rest sind miefig durchwühlte Betten. Dann kennt einer einen, dem er diese Idee verklickert und der sitzt auf einem Förder- oder Gebührengeldhaufen und lässt sich vorschwärmen, wie irre diese Idee mit den irren Männern doch sei und macht das Geld locker. Ohne großen Aufwand, Betreibermethode wie im Kolonialwarengeschäft, schon gar nicht bei der Drehbucharbeit wird über weitere Pfründenbeziehungen ein Team und ein Cast zusammengestellt, die alle nur für sich stehen, und schon ist unser Glanzprodukt fertig, was kaum jemand lustig finden dürfte und schon gar nichts Ernsthafte über die Liebessituation von unterversorgten 40-jährigen erzählt. So entsteht einer jener Filme, über die ein Bekannter neulich gemeint hat, den haben wir ja bereits mehrfach bezahlt: über die Rundfunkzwangsgebühren und über die Steuergelder für die Subvention, womit wir also alle längst das Recht auf ein Gratisstreaming im Internet hätten. Sollte sich jemand das antun wollen.

Die „irre“ Idee: zwei geile Böcke melden sich in überwiegend weiblich bestückten Therapiegruppen an, um Frauen zum Vögeln kennenzulernen. Der Produzent Philip Voges und Ilja Haller haben nun versucht aus der irren Idee ein Drehbuch zusammenzustöpseln, anders kann man es nicht sagen. Illja Haller firmiert bei IMDb immerhin mit 11 Credits als Autorin. Bei diesem Film außerdem auch als Produzentin. Die beiden Produzenten-Autoren haben sich nun wohl hinter den Computer gehockt und haben viele schwer sprechbare Relativsätze, die als Dialoge zu funktionieren haben, reingetippt.

Dabei dürften Voges und Haller das Elementare für so ein Buch, für ein Buch, was Erfolg haben möchte, glatt übersehen haben vor lauter Begeisterung über ihre Idee, nämlich den beiden Hauptfiguren oder zumindest einer der beiden, einen Konflikt zuzuschreiben, der diese filmfüllende Aktion halbwegs glaubwürdig in Gang setzen kann.

Auch haben sie, da ihr Projekt in der Altersgruppe der 40jährigen angesiedelt ist, schlicht vergessen, hinzuschauen, wie wenig lustig in diesem Alter die Liebesprobleme sind, haben sie nicht ernst genug genommen; wobei sie gerade aus diesem extremen Ernst, gerade mit 40, ein abgrundtief komisches Potential hätten ziehen können. Sie haben aber auch dieses Thema nicht ernst genommen, sie haben es benutzt, um Geschwätz über Bindung und Vertrauen und Liebe loszulassen. Denn wenn es bei 40jährigen mit der Liebe nicht klappt, dann ist es ein ernstes Problem. Aus diesem Ernst Komik zu ziehen, das wäre die Kunst. Haben die Autoren aber nicht gemacht, weil sie es vermutlich gar nicht können. Sie benutzen das lediglich als Blödelvorwand. Im Grund verarschen sie damit alle: die 40jährigen, die unter Liebesunfähigkeit leiden, die Zuschauer, die nichts Ernstzunehmendes vorgesetzt bekommen, auch keine spannende Geschichte, nur einen bunten Verhau von Darstellern, die irgendwie alle nichts miteinander zu tun haben (der einzige, der eine gewordene Type ist, das ist Milan Peschel), die ihre Rollen abliefern und bestimmt gut kassieren dafür, so wie der DHL-Bote gegen Ende der Sendung, ähm, des Filmes, welche Szene ein vollkommen vom Rest des Filmes losgelöstes, kitschiges Happy-End initiiert.

In diesem Film mieft es von ungemachten Betten, in die die Darsteller halb bekleidet reinhupfen unter die Decken und dann wieder herauskriechen, weder richtig Sex haben noch nicht richtig, noch lustig und nach welchem nicht richtig Gehabtem sie mit rot und braun überschminkten Gesichtern wieder ins Blickfeld der Kamera rücken, gerne von pastellfarbenen Hintergründen, Ansätze von Geschmack. Wie ein Stilleben von Äpfeln vor solchem Hintergrund.

Einmal mehr wundert man sich, ob es denn im ganzen Lande niemand gibt, der Drehbücher lesen kann oder ob sie überhaupt einer liest, wenn Personal aus dem Pfründstadl von Förderung und Rundfunk mit so einer „irren“ Idee ankommt, welche neben der Erfahrungs- und Lebens- und auch der Kinowelt platziert wird. Wenn schon Frau Professor Dörrie keine funktionablen Drehbücher schreiben kann, werden die sich gesagt, dann müssen wir es noch viel weniger können. Die Gutachten über diese Drehbücher sind vermutlich so zustande gekommen, wie die des Gutachters Spies im Falle Beltracchi, man sass nett beim Tee zusammen, die Mühe, in die Bücher zu schauen, hat sich niemand gemacht.

Einen Moment von Poesie gibt es allerdings, das sei nicht verschwiegen, das Kinderbuch von Paul der Krake. Das ist richtig schön. Kann aber die übrige Verarsche nicht ungeschehen machen, die bemühte Lustigkeit, wo nichts lustig ist. Wobei Anno Saul, dem Regisseur noch der geringste Vorwurf zu machen wäre, er muss sicher auch eine Familie ernähren und er musste schauen, was er mit dieser Besetzung und diesem Buch anfängt, mit den rot-braun-angelaufenen Gesichter, die die Maske ihm bescherte und hat sonst öfter versucht mit Frauen-Operettenbein (nach hinten angewinkelt in die Luft) harmlose Freundlichkeit reinzubringen, die vielleicht dem Kino der 50er Jahre zur Ehre gereichen würde.

Dafür dass sie um die 40 sind, spielen die meisten Schauspieler ihre Figuren mit diesem Gestottere und dieser Art Unsicherheit als viel zu jung. Da wir solchen Bockmist alle zwnagsmitfinanzieren, möchten wir künftig bittschön auf Euro und Cent genau erfahren, wer an solch bodenloser Subventions- und Zwangsgebührenabzockerei wie viel verdient.
Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.

2 Gedanken zu „Irre sind männlich“

  1. Vielen Dank, tina, für den Hinweis.
    Gut verständlich, dass wer schon von Gesetzes wegen gezwungen wird, solche Filme mitzufinanzieren, gerne mal einen Blick drauf wirft, ohne gleich nochmal zur Kasse gebeten zu werden.

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